Sie wurden belogen: Massenvernichtungswaffen im Irak (2003) 

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Wie oft haben Sie schon eine Schlagzeile gelesen, die sich später als falsch herausstellte? Wie oft haben Sie sich von den Medien manipulieren lassen, ohne es zu merken? In diesem Artikel decken wir einen der größten Fake-Skandale der Pressegeschichte auf. 

“Wir wissen, dass der Irak Massenvernichtungswaffen hat. Wir haben Beweise dafür.” – Colin Powell, US-Außenminister, 5. Februar 2003 

Dieses Zitat ist nur ein Beispiel für die Behauptungen, die von den politischen Führern der USA und Großbritanniens vor dem Irakkrieg 2003 gemacht wurden. Sie dienten als Rechtfertigung für den Angriff auf das Land, der am 20. März 2003 begann und bis 2011 andauerte. Doch was war die Wahrheit hinter diesen Aussagen? Waren sie auf soliden Beweisen oder auf gefälschten Informationen basiert? Und wie haben die Medien dazu beigetragen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen? 

In diesem Artikel decken wir einen der größten Fake-Skandale der Pressegeschichte auf. Wir zeigen Ihnen, wie die US-Regierung und ihre Verbündeten falsche oder irreführende Informationen über die angeblichen Massenvernichtungswaffen (WMD) im Irak verbreiteten, wie die Medien diese Informationen unkritisch übernahmen und wie die Wahrheit schließlich ans Licht kam. 

Die Vorgeschichte: Der Irak unter Saddam Hussein 

Der Irak war seit 1979 unter der Diktatur von Saddam Hussein, der mehrmals gegen seine Nachbarländer Krieg führte. Im Jahr 1980 griff er den Iran an, was zu einem achtjährigen Krieg führte, der mehr als eine Million Tote forderte. Im Jahr 1990 besetzte er Kuwait, was zu einer internationalen Koalition unter Führung der USA führte, die ihn 1991 aus dem Land vertrieb. Dabei wurde der Irak schwer bombardiert und unterliegt seitdem einem Wirtschaftsembargo und einer Flugverbotszone. 

Saddam Hussein war bekannt dafür, dass er chemische Waffen gegen seine Feinde und seine eigene Bevölkerung einsetzte. Er war verantwortlich für den Angriff auf die kurdische Stadt Halabja im Jahr 1988, bei dem mehr als 5000 Menschen durch Giftgas starben. Er war auch verdächtig, biologische Waffen wie Anthrax und Milzbrand zu besitzen. Allerdings gab es keine klaren Beweise dafür, dass er über Atomwaffen oder die Fähigkeit, sie zu entwickeln, verfügte. 

Nach dem ersten Golfkrieg wurde der Irak von den Vereinten Nationen (UN) verpflichtet, seine Waffenprogramme offenzulegen und zu zerstören. Dazu wurden UN-Waffeninspektoren ins Land geschickt, die den Zugang zu den verdächtigen Anlagen überprüfen sollten. Der Irak kooperierte jedoch nicht immer mit den Inspektoren und behinderte ihre Arbeit. Dies führte zu mehreren Konflikten mit den USA und Großbritannien, die den Irak beschuldigten, seine Waffen zu verstecken oder weiterzuentwickeln. 

Die Eskalation: Die USA und Großbritannien bereiten den Krieg vor 

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erklärte die US-Regierung unter George W. Bush den “Krieg gegen den Terror”. Sie beschloss, den Irak als Teil einer “Achse des Bösen” zu betrachten, die eine Bedrohung für die Welt darstellte. Sie behauptete, dass der Irak Verbindungen zu Al-Qaida, der Terrorgruppe, die für die Anschläge verantwortlich war, hatte. Sie behauptete auch, dass der Irak weiterhin Massenvernichtungswaffen besaß oder entwickelte, die er an Terroristen weitergeben oder gegen die USA und ihre Verbündeten einsetzen könnte. 

Um diese Behauptungen zu untermauern, griff die US-Regierung auf verschiedene Quellen zurück, die sich später als unzuverlässig oder gefälscht herausstellten. Eine dieser Quellen war ein irakischer Überläufer namens Rafid Ahmed Alwan al-Janabi, der unter dem Decknamen “Curveball” bekannt war. Er behauptete, dass er als Chemieingenieur an einem geheimen Programm zur Herstellung von biologischen Waffen in mobilen Labors beteiligt war. Er lieferte detaillierte Zeichnungen und Beschreibungen dieser Labors, die von den US-Geheimdiensten als glaubwürdig angesehen wurden. Er wurde jedoch nie persönlich von den US-Beamten befragt, sondern nur von den deutschen Geheimdiensten, die ihn als Lügner entlarvten. Er gab später zu, dass er alles erfunden hatte, um dem Saddam-Regime zu schaden. 

Eine andere Quelle war ein Dokument, das angeblich aus dem Niger stammte und bewies, dass der Irak versuchte, Uran von dem afrikanischen Land zu kaufen, um Atomwaffen zu bauen. Dieses Dokument wurde von einem italienischen Journalisten an die US-Botschaft in Rom übergeben, der es von einem dubiosen Geschäftsmann erhalten hatte. Das Dokument wurde von den US-Geheimdiensten als echt eingestuft, obwohl es mehrere Fehler und Ungereimtheiten aufwies. Es wurde später von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) als Fälschung entlarvt. 

Eine dritte Quelle war ein Aluminiumrohr, das der Irak aus China importiert hatte und das angeblich für die Herstellung von Zentrifugen zur Urananreicherung verwendet werden sollte. Dieses Rohr wurde von den US-Geheimdiensten als Beweis für das irakische Atomprogramm präsentiert, obwohl es sich herausstellte, dass es für konventionelle Raketen bestimmt war. Die IAEA stellte fest, dass das Rohr nicht den erforderlichen Spezifikationen für eine Zentrifuge entsprach. 

Diese und andere fragwürdige Informationen wurden von den US- und britischen Regierungen verwendet, um die Öffentlichkeit und die internationale Gemeinschaft von der Notwendigkeit eines Krieges gegen den Irak zu überzeugen. Sie wurden in verschiedenen Reden, Berichten und Präsentationen dargestellt, die einen dramatischen und alarmierenden Ton hatten. Ein Beispiel dafür war die Rede von Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat am 5. Februar 2003, in der er Fotos, Videos, Audios und Grafiken zeigte, die angeblich die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak belegten. Er sagte: “Meine Kollegen, jede Erklärung, die ich heute mache, wird von soliden Quellen gestützt. Einige sind Quellen, die man teilen kann, und andere sind Quellen, die man nicht teilen kann. Die Fakten und Schlussfolgerungen, die ich Ihnen heute präsentiere, sind unbestreitbar.” 

Die Medien: Die Rolle der Presse bei der Verbreitung der Lügen 

Die Medien spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der falschen oder irreführenden Informationen über die Massenvernichtungswaffen im Irak. Viele Medien übernahmen die Behauptungen der US- und britischen Regierungen ohne ausreichende Überprüfung oder Hinterfragung. Sie verließen sich auf anonyme Quellen, die sich als Regierungsbeamte oder Geheimdienstmitarbeiter ausgaben. Sie ignorierten oder marginalisierten die Stimmen der Kritiker, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Beweise äußerten. Sie schürten die Angst und die Kriegsstimmung unter den Lesern oder Zuschauern. 

Ein Beispiel dafür war die Berichterstattung der New York Times, einer der renommiertesten Zeitungen der USA. Die Zeitung veröffentlichte mehrere Artikel, die die Behauptungen der US-Regierung über die Massenvernichtungswaffen im Irak unterstützten, die sich später als falsch oder übertrieben herausstellten. Einige dieser Artikel wurden von Judith Miller geschrieben, einer 

Einige dieser Artikel wurden von Judith Miller geschrieben, einer Reporterin, die engen Kontakt zu den US-Geheimdiensten hatte. Sie zitierte oft anonyme Quellen, die ihr Informationen über die Massenvernichtungswaffen im Irak lieferten, die sich später als falsch oder unbestätigt herausstellten. Sie schrieb zum Beispiel am 8. September 2002, dass der Irak versucht habe, spezielle Aluminiumrohre zu kaufen, die für Atomwaffen verwendet werden könnten. Dieser Artikel wurde von der US-Regierung als Beleg für ihre Behauptungen zitiert. Die New York Times entschuldigte sich später für ihre fehlerhafte Berichterstattung und gab zu, dass sie nicht genug kritische Fragen gestellt oder alternative Perspektiven gesucht hatte. 

Ein anderes Beispiel war die Berichterstattung der britischen Zeitung The Daily Telegraph, die am 14. Dezember 2003 einen Artikel veröffentlichte, der behauptete, dass der Irak vor dem Krieg einen geheimen Deal mit Al-Qaida geschlossen hatte. Der Artikel basierte auf einem angeblichen Brief, der von einem irakischen Geheimdienstoffizier an Saddam Hussein geschrieben wurde. Der Brief enthielt Details über die Zusammenarbeit zwischen dem Irak und Al-Qaida, einschließlich der Ausbildung von Terroristen und der Bereitstellung von Waffen und Geld. Der Artikel wurde von vielen anderen Medien aufgegriffen und als Beweis für die Verbindung zwischen dem Irak und dem Terrorismus dargestellt. Es stellte sich jedoch heraus, dass der Brief eine Fälschung war, die von einem irakischen Exilanten erfunden wurde, der gegen das Saddam-Regime war. 

Diese beiden Beispiele sind nur einige von vielen, die zeigen, wie die Medien die Lügen über die Massenvernichtungswaffen im Irak verbreiteten. Sie trugen dazu bei, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und den Krieg zu rechtfertigen. Sie versäumten es, ihrer journalistischen Verantwortung gerecht zu werden, die Fakten zu überprüfen, die Quellen zu hinterfragen und die Wahrheit zu suchen. 

Die Wahrheit: Die Suche nach den Massenvernichtungswaffen im Irak 

Der Krieg gegen den Irak begann am 20. März 2003 mit einer massiven Luft- und Bodenoffensive der USA und ihrer Verbündeten. Das erklärte Ziel war es, das Saddam-Regime zu stürzen und die Massenvernichtungswaffen zu finden und zu zerstören. Der Krieg wurde von vielen Ländern und Organisationen, einschließlich der UN, kritisiert, die ihn als illegal und ungerechtfertigt ansahen. Der Krieg forderte mehr als 100.000 Tote, darunter Zivilisten, Soldaten und Aufständische. Er verursachte auch enorme Schäden an der Infrastruktur, der Umwelt und der Gesellschaft des Iraks. Er löste auch eine Welle von Gewalt, Terrorismus und Instabilität in der Region aus, die bis heute andauert. 

Trotz der intensiven Suche nach den Massenvernichtungswaffen im Irak wurden sie nie gefunden. Die UN-Waffeninspektoren, die vor dem Krieg aus dem Land abgezogen wurden, kehrten nach dem Krieg zurück, um ihre Arbeit fortzusetzen. Sie durchsuchten Hunderte von Orten, die von den US-Geheimdiensten als verdächtig gemeldet wurden, fanden aber keine Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen. Sie stellten fest, dass der Irak sein Waffenprogramm nach dem ersten Golfkrieg weitgehend aufgegeben oder zerstört hatte. Sie schlossen ihren Bericht im Jahr 2004 ab und erklärten, dass sie keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden hatten. 

Die US-Regierung musste schließlich zugeben, dass sie sich geirrt hatte. Im Jahr 2004 gründete sie eine unabhängige Kommission, die die Rolle der US-Geheimdienste bei der Bewertung der irakischen Bedrohung untersuchen sollte. Die Kommission stellte fest, dass die US-Geheimdienste schwere Fehler bei der Sammlung, Analyse und Kommunikation der Informationen über die Massenvernichtungswaffen im Irak gemacht hatten. Sie stellte fest, dass die US-Geheimdienste die Beweise überbewertet, widersprüchliche Informationen ignoriert, unzuverlässige Quellen verwendet und politischem Druck nachgegeben hatten. Sie stellte auch fest, dass die US-Regierung die Informationen selektiv präsentiert und übertrieben hatte, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Die Kommission veröffentlichte ihren Bericht im Jahr 2005 und kritisierte die US-Geheimdienste für ihre “schwerwiegenden Mängel” und “schweren Fehler”. 

Die britische Regierung musste ebenfalls ihre Fehler eingestehen. Im Jahr 2004 gründete sie eine unabhängige Untersuchung, die von Lord Butler geleitet wurde, um die Rolle der britischen Geheimdienste bei der Bewertung der irakischen Bedrohung zu untersuchen. Die Untersuchung stellte fest, dass die britischen Geheimdienste ähnliche Fehler wie die US-Geheimdienste gemacht hatten. Sie stellte fest, dass die britischen Geheimdienste die Beweise überinterpretiert, unbestätigte Informationen akzeptiert, ungenaue Quellen verwendet und unklare Sprache benutzt hatten. Sie stellte auch fest, dass die britische Regierung die Informationen unzureichend geprüft und überzeugend dargestellt hatte, um die öffentliche Unterstützung für den Krieg zu gewinnen. Die Untersuchung veröffentlichte ihren Bericht im Jahr 2004 und kritisierte die britischen Geheimdienste für ihre “schweren Mängel” und “schweren Fehler”. 

Die Folgen: Die Auswirkungen des Fake-Skandals auf die Welt 

Der Fake-Skandal über die Massenvernichtungswaffen im Irak hatte weitreichende Auswirkungen auf die Welt. Er untergrub die Glaubwürdigkeit und das Ansehen der USA und Großbritanniens, die als führende Demokratien und Verteidiger der Menschenrechte galten. Er erschütterte das Vertrauen in die Geheimdienste, die als Garanten der nationalen Sicherheit galten. Er beschädigte die Rolle der UN, die als Hüter des internationalen Rechts und der Friedenssicherung galten. Er entfachte die Kritik und den Widerstand gegen den Krieg und die Besatzung des Iraks, die als illegitim und ungerecht galten. Er verstärkte die Feindseligkeit und den Hass gegen den Westen, die als imperialistisch und arrogant galten. 

Der Fake-Skandal über die Massenvernichtungswaffen im Irak hatte auch Auswirkungen auf die Medien. Er offenbarte die Schwächen und Versäumnisse der Presse, die als Wächter der Wahrheit und der Demokratie galten. Er zeigte, wie die Medien von den Regierungen und den Geheimdiensten manipuliert und getäuscht wurden. Er zeigte, wie die Medien die Kriegspropaganda verbreiteten und die Kriegsgegner ignorierten. Er zeigte, wie die Medien die ethischen und professionellen Standards verletzten und die journalistische Verantwortung vernachlässigten. 

Der Fake-Skandal über die Massenvernichtungswaffen im Irak war ein schwerer Schlag für die Welt. Er war ein Beispiel für die Macht und die Gefahr der Lügen. Er war ein Beispiel für die Folgen und die Kosten des Krieges. Er war ein Beispiel für die Notwendigkeit und die Bedeutung der Wahrheit. 

Wir hoffen, dass Sie diesen Artikel informativ und interessant fanden. Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und laden Sie ein, Ihre Meinung und Ihr Feedback in den Kommentaren zu hinterlassen. 

Quellen 

  • Commission on the Intelligence Capabilities of the United States Regarding Weapons of Mass Destruction. (2005, March 31). Report to the President of the United States. https://fas.org/irp/offdocs/wmd_report.pdf 
  • United Nations Monitoring, Verification and Inspection Commission. (2004, March 30). Twenty-fifth quarterly report on the activities of the United Nations Monitoring, Verification and Inspection Commission in accordance with paragraph 12 of Security Council resolution 1284 (1999). https://undocs.org/S/2004/160 

 

 

 

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