Katastrophen der Menschheit:  Brandkatastrophe im Nachtclub KISS vom 26.01.2013

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Katastrophen sind keine Zufälle. Sie sind das Ergebnis einer fatalen Kette von Ereignissen, die durch menschliches und technisches Versagen ausgelöst werden. Oft sind es kleine Fehler oder Nachlässigkeiten, die sich zu einer großen Krise aufschaukeln. Manchmal sind es auch bewusste Entscheidungen oder Risiken, die sich als fatal erweisen. In jedem Fall sind Katastrophen eine Herausforderung für die Menschheit, aus ihnen zu lernen und sie zu vermeiden. Denn Katastrophen haben nicht nur materielle Folgen, sondern auch emotionale und soziale. Sie können ganze Lebenswelten zerstören und tiefe Traumata hinterlassen.

Es sollte eine fröhliche Party sein, ein Ausgelassenheit unter Studenten der Universidade Federal de Santa Maria. Doch in der Nacht vom 26. auf den 27. Januar 2013 verwandelte sich der Nachtclub Kiss in eine Todesfalle. Ein Feuerwerkseffekt, der nur für den Außenbereich gedacht war, entzündete die Decke des Veranstaltungsraums und löste einen verheerenden Brand aus. 242 Menschen starben, mehr als 600 wurden zum Teil schwer verletzt. Es war die zweitschwerste Brandkatastrophe in der Geschichte Brasiliens.

Der Funke, der das Inferno entfachte

Die Band Gurizada Fandangueira war an dem Abend für die musikalische Unterhaltung zuständig. Sie spielte einen Mix aus Rock und Forró, einer traditionellen Musikrichtung aus dem Nordosten Brasiliens. Um die Show zu bereichern, benutzte sie auch pyrotechnische Effekte, wie Leuchtfackeln und Funkenregen. Doch was als Spektakel gedacht war, wurde zum Auslöser einer Tragödie.

Gegen 2:30 Uhr morgens zündete einer der Musiker eine Leuchtfackel, die Funken in alle Richtungen sprühte. Eine dieser Funken traf die Decke des Nachtclubs, die mit Schaumstoffplatten isoliert war. Der Schaumstoff fing sofort Feuer und breitete sich rasend schnell aus. Die Flammen erzeugten einen dichten, schwarzen und hochgiftigen Rauch, der die Sicht und die Atmung erschwerte.

Die meisten der rund 900 Besucher merkten erst spät, dass etwas nicht stimmte. Sie dachten zunächst, dass es sich um einen Teil der Show handelte. Als sie das Feuer bemerkten, brach Panik aus. Sie rannten zum einzigen Ausgang des Clubs, der auch als Eingang diente. Doch dort stießen sie auf ein weiteres Hindernis: Die Tür war durch Gitter verengt, um zu verhindern, dass die Gäste ohne zu bezahlen flüchteten.

Das Chaos an der Tür

Die Tür war nur zwei Meter breit und konnte nur nach innen geöffnet werden. Als die Menschenmenge dagegen drückte, blockierte sie sich selbst. Viele stolperten und fielen zu Boden, wo sie von anderen überrannt wurden. Die Sicherheitskräfte waren überfordert und versuchten zunächst, die Gäste am Verlassen des Clubs zu hindern. Sie dachten, dass es sich um einen Streit oder eine Schlägerei handelte.

Erst als sie das Feuer sahen, öffneten sie die Tür ganz. Doch da war es schon zu spät für viele. Der Rauch hatte sich im ganzen Club ausgebreitet und ließ kaum noch Luft zum Atmen. Viele erstickten oder erlitten eine Rauchvergiftung. Andere wurden von den Flammen verbrannt oder erlitten schwere Verbrennungen.

Die Rettungskräfte kamen schnell an den Ort des Geschehens, doch sie konnten nur wenig tun. Sie mussten sich durch die Leichenberge kämpfen, um die Überlebenden zu bergen. Viele von ihnen waren traumatisiert von dem Anblick des Grauens.

Die Folgen der Katastrophe

Die Brandkatastrophe im Nachtclub Kiss löste eine Welle der Trauer und Empörung aus. Die Stadt Santa Maria erklärte eine dreitägige Staatstrauer. Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff unterbrach ihren Besuch in Chile und flog nach Santa Maria, um ihr Beileid auszudrücken und den Angehörigen der Opfer beizustehen.

Die Ermittlungen ergaben, dass der Nachtclub Kiss mehrere Sicherheitsmängel aufwies. Die Feuergenehmigung war abgelaufen, es gab keinen zweiten Notausgang, keine Sprinkleranlage und keine Rauchmelder. Der Schaumstoff an der Decke war nicht feuerfest und entsprach nicht den Brandschutzvorschriften. Die Band hatte keine Erlaubnis, Feuerwerkseffekte zu benutzen, und der Feuerlöscher, der im Club vorhanden war, funktionierte nicht.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen vier Personen: die beiden Besitzer des Nachtclubs, den Sänger und den Manager der Band. Sie wurden beschuldigt, fahrlässig den Tod von 242 Menschen verursacht zu haben. Der Prozess begann im März 2016 und zog sich über mehrere Jahre hin. Im Dezember 2020 wurden die vier Angeklagten zu Haftstrafen zwischen acht und elf Jahren verurteilt. Die Verteidigung legte Berufung ein.

Die Überlebenden und die Hinterbliebenen der Opfer kämpfen bis heute mit den Folgen der Katastrophe. Viele leiden unter körperlichen und psychischen Schäden, wie Depressionen, Angstzuständen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie fordern Gerechtigkeit und Entschädigung für ihr Leid.

Die Brandkatastrophe im Nachtclub Kiss hat das Leben von Hunderten von Menschen zerstört. Sie hat auch gezeigt, wie wichtig es ist, die Sicherheitsstandards in öffentlichen Gebäuden einzuhalten und zu überprüfen. Denn eine einzige Unachtsamkeit kann eine Nacht des Schreckens auslösen.

Quellen

  • Brandkatastrophe im Nachtclub Kiss – Wikipedia

  • Brandkatastrophe im Nachtclub Kiss – Wikiwand

  • Leid und kein Ende: Acht Jahre nach der Tragödie im Nachtclub „Kiss“ – latina-press.com

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