Katastrophen der Menschheit – The Dust Bowl 1930 USA

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Katastrophen sind keine Zufälle. Sie sind das Ergebnis einer fatalen Kette von Ereignissen, die durch menschliches und technisches Versagen ausgelöst werden. Oft sind es kleine Fehler oder Nachlässigkeiten, die sich zu einer großen Krise aufschaukeln. Manchmal sind es auch bewusste Entscheidungen oder Risiken, die sich als fatal erweisen. In jedem Fall sind Katastrophen eine Herausforderung für die Menschheit, aus ihnen zu lernen und sie zu vermeiden. Denn Katastrophen haben nicht nur materielle Folgen, sondern auch emotionale und soziale. Sie können ganze Lebenswelten zerstören und tiefe Traumata hinterlassen.

Die Dust Bowl war eine Naturkatastrophe, die den Mittleren Westen der USA und Kanada in den 1930er Jahren verwüstete. Die Periode ist gekennzeichnet von heftigen Sandstürmen, die die Umwelt und die Landwirtschaft in Teilen der Great Plains stark schädigten. Die Dust Bowl war die schlimmste Dürre in Nordamerika seit 1000 Jahren1 und hatte verheerende Folgen für die Menschen, die dort lebten.

Die Ursachen der Dust Bowl

Die Dust Bowl war das Ergebnis einer fatalen Kombination aus klimatischen und menschlichen Faktoren. Die klimatische Ursache lag in außergewöhnlichen Wassertemperaturen des Pazifiks und Atlantiks, die zu einer verminderten Niederschlagsmenge in den Great Plains führten2. Die menschliche Ursache lag in der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Prärie, die zu einer Zerstörung des natürlichen Ökosystems führte.

Die Prärie war ursprünglich von Grasland bedeckt, das von den Ureinwohnern (Indianern) und dem Amerikanischen Bison bewohnt wurde. Diese hatten eine angepasste Wirtschafts- und Lebensweise, die das Gleichgewicht der Natur respektierte. Mit dem Vordringen der europäischen Siedler im 19. Jahrhundert wurden die Indianer vertrieben oder getötet und die Bisons fast ausgerottet. Die Siedler rodeten das Präriegras, um Ackerland für den Anbau von Weizen und anderen Getreiden zu schaffen. Das Präriegras hatte jedoch eine wichtige Funktion: Es hielt mit seinen tiefen Wurzeln den Boden zusammen und schützte ihn vor Erosion.

In den 1920er Jahren erlebte die Landwirtschaft in den Great Plains einen Boom, der durch hohe Weizenpreise und technologische Innovationen wie Traktoren und Pflüge angetrieben wurde. Die Farmer erweiterten ihre Anbauflächen und pflügten immer mehr Land um, ohne auf Fruchtfolge oder Bodenschutz zu achten. Sie glaubten, dass der Regen dem Pflug folgen würde3. Sie irrten sich.

Die Folgen der Dust Bowl

In den 1930er Jahren brach die Weltwirtschaftskrise aus, die zu einem dramatischen Preisverfall für Weizen führte. Viele Farmer gerieten in finanzielle Schwierigkeiten und mussten ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Gleichzeitig setzte eine langanhaltende Dürre ein, die den Boden austrocknete und unfruchtbar machte. Ohne das Präriegras als Schutz wurde der Boden vom Wind aufgewirbelt und zu riesigen Staubwolken geformt, die als Black Blizzards bezeichnet wurden. Diese Staubstürme verdeckten die Sonne, reduzierten die Sichtweite, verschmutzten die Luft und verursachten gesundheitliche Probleme wie Staublunge oder Staubpneumonie.

Die Staubstürme zerstörten die Ernten und machten das Leben auf dem Land unerträglich. Viele Farmer mussten ihren Besitz aufgeben und ihre Heimat verlassen. Sie suchten oft in anderen Regionen der USA nach Arbeit, vor allem in der landwirtschaftlichen Produktion in Kalifornien. Hier traten sie in Konkurrenz zu anderen Wanderarbeitern, die unter schlechten Bedingungen und für niedrige Löhne arbeiten mussten. Die Auswanderer wurden als Okies bekannt, ein abwertender Begriff für alle, die vor der Naturkatastrophe flohen.

Die Dust Bowl war nicht nur eine amerikanische Tragödie, sondern auch eine kanadische. In Kanada war die Provinz Saskatchewan am stärksten betroffen. Dort litten die Farmer unter ähnlichen Problemen wie ihre amerikanischen Nachbarn: Dürre, Staubstürme, Ernteausfälle und Armut. Viele von ihnen wanderten ebenfalls ab oder gaben ihre Farmen auf.

Die Reaktionen auf die Dust Bowl

Die Dust Bowl war eine der größten Herausforderungen für die US-Regierung unter Präsident Franklin D. Roosevelt, der 1933 sein Amt antrat. Roosevelt initiierte eine Reihe von Reformen und Hilfsprogrammen, die als New Deal bekannt wurden. Diese zielten darauf ab, die Wirtschaft zu beleben, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die soziale Sicherheit zu verbessern. Ein wichtiger Aspekt des New Deal war die Unterstützung der Landwirtschaft und der Umwelt.

Die US-Regierung gründete den Soil Conservation Service (heute Natural Resources Conservation Service), der sich um die Bewahrung natürlicher Ressourcen kümmerte. Der Soil Conservation Service förderte die Einführung von bodenschonenden Anbaumethoden wie Fruchtfolge, Mulchen oder Terrassierung. Er kaufte auch erodierte oder unrentable Farmen auf und verwandelte sie in öffentliches Land. Auf dessen Planung hin wurde dann auch zur Verringerung des Dust Bowl ab 1935 der Great Plains Shelterbelt angelegt, ein 100 Meilen breiter Grüngürtel als Windschutz, von der Nord- bis zur Südgrenze der USA.

Die US-Regierung half auch den Farmern finanziell, indem sie ihnen Kredite, Subventionen oder Entschädigungen anbot. Sie organisierte auch die Umsiedlung von einigen Farmern in andere Gebiete, wo sie bessere Lebensbedingungen vorfanden. Die US-Regierung versuchte auch, die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Farmer zu befriedigen, indem sie ihnen Bildung, Gesundheit oder Unterhaltung zur Verfügung stellte.

Die kanadische Regierung reagierte ähnlich wie die amerikanische auf die Dust Bowl. Sie gründete den Prairie Farm Rehabilitation Administration (PFRA), der sich um die Wiederherstellung und Erhaltung des Bodens kümmerte. Die PFRA unterstützte die Farmer bei der Einführung von bodenschonenden Anbaumethoden und bei der Anlage von Windschutzstreifen aus Bäumen oder Sträuchern. Die kanadische Regierung bot auch finanzielle Hilfe für die Farmer an, indem sie ihnen Kredite, Subventionen oder Steuererleichterungen gewährte. Sie förderte auch die Diversifizierung der Landwirtschaft, indem sie den Anbau von anderen Kulturen wie Raps oder Leinsamen anregte.

Die Bedeutung der Dust Bowl

Die Dust Bowl war eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der Menschheit, die tiefe Spuren in der Geschichte und in der Kultur hinterließ. In seinem Roman Früchte des Zorns beschreibt John Steinbeck schon 1939 die Migration der Farmer nach Kalifornien. Aufgrund der Aktualität des Stoffes folgte die Verfilmung bereits ein Jahr später. Die Dust Bowl inspirierte auch viele Musiker wie Woody Guthrie, Bob Dylan oder Bruce Springsteen, die Lieder über das Schicksal der Okies schrieben.

Die Dust Bowl lehrte uns eine wichtige Lektion über den Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen. Sie zeigte uns, wie zerbrechlich das Ökosystem ist und wie verantwortungsvoll wir mit ihm umgehen müssen. Sie zeigte uns auch, wie wichtig es ist, solidarisch mit den Menschen zu sein, die unter den Folgen von Naturkatastrophen leiden. Die Dust Bowl ist ein Mahnmal für die Menschheit, das uns daran erinnert, dass wir nicht gegen die Natur kämpfen können, sondern mit ihr zusammenarbeiten müssen.

Quellen


: Worster, D. (1979). Dust Bowl: The Southern Plains in the 1930s. Oxford University Press.

: Schubert, S. D., Suarez, M. J., Pegion, P. J., Koster, R. D., & Bacmeister, J. T. (2004). On the cause of the 1930s Dust Bowl. Science, 303(5665), 1855-1859.

: Egan, T. (2006). The worst hard time: The untold story of those who survived the great American dust bowl. Houghton Mifflin Harcourt.

: McLeman, R., Dupre, J., Berrang Ford, L., Ford, J., Gajewski, K., & Marchildon, G. (2014). What we learned from the Dust Bowl: lessons in science, policy, and adaptation. Population and Environment, 35(4), 417-440.

: Steinbeck, J. (1939). The Grapes of Wrath. Viking Press.

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