Katastrophen der Menschheit: Zugunglück von Elsterwerda am 20.11.1997

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Katastrophen sind keine Zufälle. Sie sind das Ergebnis einer fatalen Kette von Ereignissen, die durch menschliches und technisches Versagen ausgelöst werden. Oft sind es kleine Fehler oder Nachlässigkeiten, die sich zu einer großen Krise aufschaukeln. Manchmal sind es auch bewusste Entscheidungen oder Risiken, die sich als fatal erweisen. In jedem Fall sind Katastrophen eine Herausforderung für die Menschheit, aus ihnen zu lernen und sie zu vermeiden. Denn Katastrophen haben nicht nur materielle Folgen, sondern auch emotionale und soziale. Sie können ganze Lebenswelten zerstören und tiefe Traumata hinterlassen.

Der Tag, an dem die Kesselwagen explodierten: Das Zugunglück von Elsterwerda 1997

Es war ein kalter Novembermorgen am 20. November 1997, als sich im Bahnhof von Elsterwerda eine Katastrophe ereignete, die das Leben von vielen Menschen für immer veränderte. Ein Güterzug, der mit Benzin und Dieselkraftstoff beladen war, entgleiste wegen überhöhter Geschwindigkeit und löste eine Reihe von Explosionen und Bränden aus. Zwei Feuerwehrleute starben und vier wurden schwer verletzt. Acht weitere Menschen erlitten leichte Verletzungen. Es war einer der schwersten Eisenbahnunfälle in der Geschichte der Deutschen Bahn.

Wie konnte es zu diesem Unglück kommen? Die Ursache lag in einem fatalen Fehler des Lokführers, der die Bremsleitung des Zuges nicht ordnungsgemäß angeschlossen hatte. Der Güterzug KC 71153 war von Stendell nach Nossen unterwegs. Er bestand aus einer Elektrolokomotive und 22 Kesselwagen und hatte ein Gewicht von 1851 Tonnen. In Berlin-Grünau sollte er eine neue Lokomotive erhalten, die ihn bis Riesa bringen sollte. Der Lokführer kuppelte die neue Lokomotive an den Zug, vergaß aber, die Schläuche der Bremsleitung zu verbinden und die entsprechenden Absperrhähne zu öffnen. Damit waren die Bremsen aller Wagen nicht aktivierbar.

Das hätte vor der Abfahrt des Zuges auffallen müssen. Der Lokführer hätte eine Bremsprobe durchführen müssen, um die Funktionsfähigkeit des Bremssystems zu prüfen. Das hätte er zusammen mit einem Zugvorbereiter tun müssen, der ihm die erforderlichen Papiere übergeben hätte. Doch der Zugvorbereiter war überlastet und musste an drei Zügen gleichzeitig die Bremsprobe durchführen.

Er stellte am letzten Wagen des Güterzuges fest, dass sich die Bremsen nicht gelöst hatten, führte das aber auf eine technische Ursache zurück und gab dem Lokführer grünes Licht für die Weiterfahrt.

Der Lokführer fuhr los, ohne zu ahnen, dass er auf dem falschen Gleis unterwegs war. Er hatte keine Kontrolle über den Zug, der nur von der Lokomotive gebremst wurde. Er sollte den Bahnhof Elsterwerda mit 40 km/h befahren, doch er erreichte eine Geschwindigkeit von 80 km/h. Er versuchte noch zu bremsen, doch es war zu spät. Der Zug entgleiste im Bahnhof und riss mehrere Oberleitungsmasten um. Die Kesselwagen schlugen auf den Boden auf und rissen auf. Aus den Lecks strömte Benzin und Dieselkraftstoff aus, der sich durch Funken entzündete.

Die Flammen schossen in die Höhe und bildeten eine riesige Feuersäule, die kilometerweit zu sehen war. Die Hitze war so stark, dass sie Fensterscheiben zum Bersten brachte und Autos zum Schmelzen brachte. Die Explosionen waren so laut, dass sie wie Donnerschläge klangen und die Erde erbeben ließen. Die Menschen in der Nähe gerieten in Panik und versuchten zu fliehen oder sich in Sicherheit zu bringen.

Die Rettungskräfte waren schnell vor Ort und begannen mit dem Löschen des Feuers und der Bergung der Verletzten. Die Feuerwehrleute mussten sich einem Inferno stellen, das immer wieder von neuen Explosionen erschüttert wurde. Sie riskierten ihr Leben, um Menschen aus den brennenden Gebäuden zu retten oder den Gefahrenbereich abzusperren. Bei einer besonders heftigen Explosion wurden zwei Feuerwehrleute getötet und vier schwer verletzt. Sie hatten keine Chance, sich in Sicherheit zu bringen.

Die Trauer und das Entsetzen über das Unglück waren groß. Viele Angehörige suchten verzweifelt nach ihren Lieben oder mussten ihre Identifizierung bestätigen. Die Behörden richteten eine zentrale Auskunftsstelle ein, um die Opfer zu registrieren und zu informieren. Die Presse berichtete ausführlich über das Geschehen und die Hintergründe. Die Öffentlichkeit forderte eine lückenlose Aufklärung und eine gerechte Bestrafung der Verantwortlichen.

Die rechtliche Aufarbeitung des Unfalls zog sich über mehrere Jahre hin. Der Lokführer wurde wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung angeklagt. Er gestand seinen Fehler ein und bat um Vergebung. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Der Zugvorbereiter wurde ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung angeklagt. Er wurde zu einer Geldstrafe von 9000 Mark verurteilt. Die Deutsche Bahn musste Schadensersatz an die Hinterbliebenen der Opfer und an die Stadt Elsterwerda zahlen.

Der Eisenbahnunfall von Elsterwerda war ein tragisches Ereignis, das viele Menschenleben kostete und das Vertrauen in die Sicherheit der Eisenbahn erschütterte. Er zeigte die Gefahren von menschlichem Versagen und technischem Versagen auf. Er führte zu einer Verbesserung der Sicherheitsvorschriften und der Kontrollen bei der Deutschen Bahn. Er bleibt aber auch als eine Mahnung in Erinnerung, dass die Eisenbahn ein sensibles System ist, das ständiger Wachsamkeit und Sorgfalt bedarf.

Quellen:

  • Eisenbahnunfall von Elsterwerda – Wikipedia

  • Zugunglück: Explosion zweier Kesselwagen in Elsterwerda 1997 – YouTube

    1. November 1997 – Kesselzugexplosion – zwei getötete und vier verletzte FA – atemschutzunfaelle.de

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