Weil sie Deutsche sind – Die Versenkung des Lazarettschiffes Tübingen am 18.11.1944
- November 2025
Am 18. November 1944 ereignete sich im Mittelmeer ein Vorfall, der bis heute als erschütterndes Beispiel für die Missachtung des Völkerrechts gilt. Das deutsche Lazarettschiff Tübingen, klar gekennzeichnet mit roten Kreuzen und weiß gestrichen, wurde von britischen Flugzeugen angegriffen und versenkt. Der Angriff fand in den frühen Morgenstunden nahe Cap Promontore an der Adriaküste statt und dauerte nur wenige Minuten, doch seine Folgen waren verheerend.
Die Tübingen war am Vortag mit Verwundeten ausgelaufen und hatte diese in Pola ausgeschifft. Auf dem Rückweg befanden sich noch 24 Verletzte sowie rund 100 Besatzungsmitglieder und medizinisches Personal an Bord. Um 07:45 Uhr tauchten zwei britische zweimotorige Flugzeuge auf, die das Schiff zunächst aus der Ferne beobachteten. Wenige Minuten später erfolgte der Angriff: Bomben trafen das Schiff und setzten es in Brand, während Bordwaffen das Deck unter Beschuss nahmen. Augenzeugen berichten, dass die Besatzung keine Möglichkeit zur Verteidigung hatte – das Lazarettschiff war unbewaffnet und einzig für die Versorgung von Verwundeten vorgesehen.
Innerhalb von 35 Minuten war die Tübingen verloren. Um 08:20 Uhr sank sie brennend in den Gewässern der Adria. Die Explosionen hatten das Schiff schwer beschädigt, Flammen griffen rasch auf die Aufbauten über, und dichte Rauchschwaden machten eine geordnete Evakuierung nahezu unmöglich. Dennoch gelang es vielen, sich ins Wasser zu retten. Deutsche Schnellboote aus Pola eilten herbei und konnten 115 Menschen bergen. Fünf blieben vermisst, darunter der Chefarzt Oberstabsarzt Dr. Neumann, der bis zuletzt versucht hatte, Patienten zu retten. Ein Besatzungsmitglied kam ums Leben, zwölf weitere wurden verletzt.
Der Angriff auf die Tübingen war nicht nur ein militärisches Ereignis, sondern auch ein Bruch des Völkerrechts. Lazarettschiffe standen unter dem Schutz der Haager Konvention und durften nicht angegriffen werden. Dennoch wurden sie im Verlauf des Zweiten Weltkriegs immer wieder Ziel von Attacken, da der Verdacht bestand, sie könnten militärische Transporte tarnen. Historiker weisen darauf hin, dass dieser Missbrauch tatsächlich vorkam – doch im Fall der Tübingen gibt es keine Hinweise auf eine solche Täuschung. Sie war klar als Lazarettschiff gekennzeichnet und trug keine militärische Fracht.
Die Versenkung der Tübingen verdeutlicht die Grausamkeit des Krieges und die Unsicherheit selbst für jene, die dem Schutz von Verwundeten und Kranken dienten. Der Angriff durch die britische Luftwaffe zeigt, wie schnell humanitäre Prinzipien in den Wirren des Krieges missachtet wurden. Für die Überlebenden blieb der Tag ein traumatisches Erlebnis, das sie ihr Leben lang begleitete.
Quellen:
Forum Marinearchiv – Schiffschronik „Fl.B. 582“
WLB Stuttgart – Missachtung und Missbrauch von Lazarettschiffen
Forum der Wehrmacht – Missachtung und Missbrauch der Integrität von Lazarettschiffen
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