Weil sie Deutsche sind – Der Massensuizid von Demmin 1945
- November 2025
Im Frühjahr 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde die Kleinstadt Demmin in Mecklenburg-Vorpommern Schauplatz einer der größten Massensuizide der deutschen Geschichte. Zwischen dem 30. April und dem 4. Mai nahmen sich mehrere hundert bis über eintausend Menschen das Leben. Die Ereignisse sind bis heute ein düsteres Kapitel der deutschen Erinnerungskultur und werfen ein Schlaglicht auf die Angst, Verzweiflung und Gewalt jener Tage.
Als die Wehrmacht Ende April 1945 aus Demmin abzog, sprengte sie die Brücken über die Flüsse Peene und Tollense, um den Vormarsch der Roten Armee zu verzögern. Zurück blieben rund 15.000 Einwohner sowie zahlreiche Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen. Am 30. April erreichten sowjetische Panzerbrigaden die Stadt und stießen auf zerstörte Übergänge. Während die Soldaten Behelfsbrücken errichteten, kam es in der Stadt zu Plünderungen, Gewalt und Vergewaltigungen. Augenzeugen berichten von marodierenden Soldaten, die Alkohol und Wertgegenstände suchten, während Frauen und Mädchen Opfer sexueller Gewalt wurden Wikipedia mdr.de.
Die Angst vor den sowjetischen Truppen war tief verwurzelt. Sie speiste sich aus den Berichten über Gräueltaten der Roten Armee in Ostpreußen und Schlesien sowie aus der Propaganda des NS-Regimes. Viele Einwohner Demmins sahen keinen Ausweg mehr. Ganze Familien nahmen sich das Leben, oft durch Ertränken in den Flüssen Peene und Tollense. Zeitzeugen schilderten, wie die Leichen im Wasser trieben, sich im Schilf verfingen und wochenlang an die Ufer gespült wurden mdr.de. Andere wählten den Strick, Gift oder Schusswaffen. Es gibt Berichte über Menschen, die zunächst sowjetische Soldaten angriffen und sich anschließend selbst töteten Wikipedia.
Die genaue Zahl der Toten lässt sich nicht mehr ermitteln. Zeitgenössische Quellen sprechen von über 700 bis 1.000 Opfern. Friedhofsregister verzeichnen über 600 Todesfälle, von denen mehr als 400 eindeutig auf Suizid zurückzuführen sind Demminer Heimatverein e.V.. Historiker gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl höher lag, da viele Leichen nicht geborgen oder dokumentiert wurden. Die Innenstadt Demmins wurde zudem durch Brände und Zerstörungen fast vollständig vernichtet – über 80 Prozent der Altstadt gingen in Flammen auf mdr.de.
In der DDR wurde über die Ereignisse jahrzehntelang geschwiegen. Erst nach der Wiedervereinigung begann eine offene Auseinandersetzung mit dem Massensuizid. Heute erinnern Gedenkorte wie der „Garten der Erinnerung“ in Demmin an die Opfer. Historiker sehen in den Geschehnissen ein Beispiel für die extremen psychischen Belastungen der Zivilbevölkerung am Ende des Krieges, die zwischen Angst vor Racheakten und der eigenen Schuld gefangen war.
Quellen
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