Moderne Sagen – der Film des Todes

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In den Schatten unserer Städte flüstern die Stimmen der Vergangenheit, erzählen Geschichten, die das Blut in den Adern gefrieren lassen. Urbane Legenden, gewoben aus Gerüchten und Halbwahrheiten, schleichen sich in unsere Gedanken ein und hinterlassen ein Echo des Zweifels. Sind es nur Märchen, erfunden um uns zu erschrecken, oder verbirgt sich in ihnen ein Körnchen Wahrheit? Dieser Artikel lädt dich ein, tief in die dunkle Welt der urbanen Mythen einzutauchen, wo das Unmögliche auf die Realität trifft und das Grauen einen Namen bekommt.

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten eine mysteriöse DVD in Ihrem Briefkasten. Sie legen sie in Ihren Player ein und sehen einen grausamen Snuff-Film, in dem Menschen vor laufender Kamera gefoltert und ermordet werden. Sie sind schockiert und angewidert, aber bevor Sie abschalten können, erscheint eine Nachricht auf dem Bildschirm: “Sie haben 24 Stunden zu leben. Wenn Sie diesen Film jemandem zeigen, wird er sterben. Wenn Sie ihn niemandem zeigen, werden Sie sterben.” Was würden Sie tun?

Dies ist die Grundidee einer modernen Sage, die seit den 1990er Jahren im Internet und in den Medien kursiert. Eine moderne Sage, auch urban legend oder contemporary legend genannt, ist eine skurrile Anekdote, die mündlich, per E-Mail oder über soziale Netzwerke weitergegeben wird und deren Quelle sich in aller Regel nicht zurückverfolgen lässt1. Die Protagonisten einer modernen Sage sind meist nicht namentlich bekannt. Oft wird berichtet, die jeweilige Geschichte sei dem Freund eines glaubwürdigen Bekannten passiert. Daher stammt die englische Bezeichnung “FOAF tales”: „friend of a friend tales“1.

Die moderne Sage vom Film des Todes gehört zu den sogenannten Kriminalsagen, die von Verbrechen, Gewalt und Grausamkeit handeln. Sie spielt mit der Angst vor dem Unbekannten, dem Bösen und dem Tod. Sie ist verwandt mit anderen Sagen, die von verfluchten oder verbotenen Filmen erzählen, wie zum Beispiel dem japanischen Horrorfilm “Ring”, der auf einer Romanvorlage von Koji Suzuki basiert. In diesem Film geht es um ein Videoband, das jeden tötet, der es sich ansieht, wenn er nicht innerhalb von sieben Tagen einen bestimmten Anruf erhält2.

Die moderne Sage vom Film des Todes ist jedoch nicht nur eine fiktive Erzählung, sondern hat auch einen realen Hintergrund. Der Begriff Snuff-Film bezeichnet einen Film, in dem ein Mensch oder ein Tier tatsächlich getötet wird, um die Aufnahme zu produzieren. Der Ausdruck stammt aus den 1970er Jahren, als der Filmemacher Michael Findlay bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Seine Frau Roberta Findlay behauptete, er habe einen solchen Film gedreht, der jedoch nie gefunden wurde3. Seitdem gab es immer wieder Gerüchte und Spekulationen über die Existenz von Snuff-Filmen, die vor allem in Untergrundkreisen oder im Darknet gehandelt werden sollen. Allerdings gibt es bis heute keinen eindeutigen Beweis für einen echten Snuff-Film. Der reale Snuff-Film gilt daher als moderne Sage3.

Die Faszination für diese Art von Geschichten ist nicht neu. Schon in der Antike gab es Erzählungen von blutigen Schauspielen, die das Publikum unterhalten sollten, wie zum Beispiel die Gladiatorenkämpfe im alten Rom. Auch in der Literatur und in der Kunst finden sich zahlreiche Beispiele für die Darstellung von Gewalt und Tod, wie zum Beispiel die Werke von Marquis de Sade, Edgar Allan Poe oder Francis Bacon. Die moderne Sage vom Film des Todes ist also eine Fortsetzung einer alten Tradition, die die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen Kunst und Grauen verwischt.

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