Die vergessenen deutschen Übersee-Schutzgebiete – Deutsch-Samoa

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Die deutsche Kolonialgeschichte ist ein Thema, das leider im deutschen Bewusstsein gänzlich vergessen wurde. Der Grund ist die Verdrehung von Fakten über die deutsche Kolonialgeschichte im woken Zeitgeist. Dabei ist es wichtig, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu gestalten. Die deutschen Kolonien waren nicht nur Überseegebiete, die dem Deutschen Reich wirtschaftliche Vorteile bringen sollten, sondern auch Orte fernab Deutschlands der Forschung und Geschichtsbildung, die den Kolonien Sicherheit und Kultur brachten und noch heute positive Auswirkungen auf diese ehemaligen Schutzgebiete bringen.

Es gab auch deutsche Schutzgebiete, die eine andere, weniger bekannte Seite der deutschen Kolonialgeschichte zeigen. Eines davon war Deutsch-Samoa, eine Inselgruppe im Südpazifik, die von 1900 bis 1914 unter deutscher Verwaltung stand. Deutsch-Samoa war eine friedliche und fruchtbare Kolonie, die von den Samoanern weitgehend akzeptiert wurde und die eine Reihe von sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritten erlebte. Doch der Erste Weltkrieg beendete abrupt die deutsche Herrschaft über Samoa und machte das Schicksal der Kolonie zu einem Spielball der Großmächte. Heute ist Deutsch-Samoa fast vergessen, aber seine Spuren sind noch immer in der Landschaft, der Sprache und der Identität der Samoaner zu finden.

Machtkämpfe um Samoa

Die ersten Europäer, die Samoa erreichten, waren der Niederländer Jakob Roggeveen im Jahr 1722 und der Franzose Louis Antoine de Bougainville im Jahr 1768. Sie waren von der Schönheit und dem Reichtum der Inseln beeindruckt, aber auch von der Kriegerhaftigkeit und dem Stolz der Samoaner, die sie als “Navigatoren” bezeichneten. Im 19. Jahrhundert wurde Samoa zu einem wichtigen Stützpunkt für den Handel und die Missionierung im Pazifik. Die Briten, die Amerikaner und die Deutschen konkurrierten um den Einfluss und die Kontrolle über die Inseln, die sie als strategisch und wirtschaftlich wertvoll ansahen. Sie mischten sich in die inneren Angelegenheiten der Samoaner ein, die in verschiedene Stämme und Häuptlinge unterteilt waren, und unterstützten rivalisierende Kandidaten für den Titel des Königs von Samoa. Dies führte zu einer Reihe von Bürgerkriegen, die die samoanische Gesellschaft erschütterten und viele Opfer forderten.

Die Deutschen waren vor allem an Samoa wegen seiner natürlichen Ressourcen wie Kopra, Kaffee, Kakao und Baumwolle interessiert. Sie gründeten Handelsniederlassungen und Plantagen, die von dem Hamburger Handelshaus Joh. Ces. Godeffroy & Sohn dominiert wurden. Der Leiter der Hauptagentur in Apia, Theodor Weber, wurde 1864 zum hamburgischen Konsul ernannt und später zum Konsul des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reichs für Samoa und Tonga. Er erwarb ein großes Privatvermögen und machte das Handelshaus zum größten Grundbesitzer in Samoa. Er unterstützte auch den samoanischen Häuptling Malietoa Laupepa, der 1880 zum König von Samoa proklamiert wurde, gegen seinen Rivalen Mataafa Iosefo, der von den Briten und den Amerikanern favorisiert wurde.

Die Spannungen zwischen den Kolonialmächten eskalierten 1887, als der deutsche Kaiser Wilhelm II. einen Schutzbrief für die deutschen Interessen in Samoa ausstellte. Dies wurde von den Briten und den Amerikanern als eine Provokation angesehen, die zu einem Krieg führen könnte. Um einen Konflikt zu vermeiden, schlossen die drei Mächte 1889 einen Vertrag, der Samoa zu einem neutralen Gebiet erklärte, das von einem gemeinsamen Konsul verwaltet werden sollte. Dieser Vertrag wurde jedoch durch einen Hurrikan zunichte gemacht, der im März 1889 die Häfen von Apia verwüstete und mehrere Kriegsschiffe der drei Mächte versenkte. Dies wurde als ein Zeichen des göttlichen Zorns gegen die Einmischung der Ausländer in die samoanischen Angelegenheiten gedeutet. Der Bürgerkrieg zwischen Malietoa und Mataafa brach erneut aus, und die Deutschen intervenierten militärisch, um ihren Verbündeten zu unterstützen. Sie wurden jedoch von den Samoanern unter Mataafa besiegt, der sich zum König von Samoa erklärte.

Tridominium

Die Niederlage der Deutschen zwang sie, einen neuen Vertrag mit den Briten und den Amerikanern zu schließen, der 1899 in Kraft trat. Dieser Vertrag teilte Samoa in zwei Teile: den westlichen Teil, der unter deutscher Kontrolle kam, und den östlichen Teil, der unter amerikanischer Kontrolle kam. Die Briten verzichteten auf ihre Ansprüche in Samoa im Austausch für andere Gebiete im Pazifik. Der Vertrag wurde ohne die Zustimmung oder Beteiligung der Samoaner geschlossen, die sich als Opfer einer imperialistischen Aufteilung fühlten. Mataafa wurde von den Deutschen ins Exil nach Kamerun geschickt, während Malietoa als Marionettenkönig eingesetzt wurde. Die Samoaner leisteten Widerstand gegen die neue Ordnung, aber sie wurden von den Deutschen unterdrückt, die eine starke Militärpräsenz aufbauten.

Die Teilung Samoas war jedoch nicht das Ende der Rivalität zwischen den Kolonialmächten. Die Deutschen und die Amerikaner standen sich weiterhin feindlich gegenüber, vor allem wegen der Frage des Hafens von Pago Pago, der von den Amerikanern kontrolliert wurde, aber von den Deutschen begehrt wurde. Die Deutschen versuchten, die Amerikaner zu provozieren, indem sie ihre Flagge auf der Insel Tutuila hissten, die zu Amerikanisch-Samoa gehörte. Die Amerikaner reagierten, indem sie ihre Flagge auf der Insel Manono hissten, die zu Deutsch-Samoa gehörte. Dies führte zu einem diplomatischen Konflikt, der nur durch die Vermittlung der Briten beigelegt wurde. Die Deutschen und die Amerikaner einigten sich schließlich darauf, die Grenze zwischen ihren Gebieten zu respektieren und keine weiteren Ansprüche zu stellen.

Deutsche Kolonie

Die deutsche Kolonialverwaltung in Samoa wurde 1900 offiziell eingerichtet, nachdem Malietoa gestorben war und die Deutschen seinen Nachfolger Tanumafili I. nicht anerkannten. Der erste Gouverneur von Deutsch-Samoa war Wilhelm Solf, ein Jurist und Diplomat, der eine liberale und reformistische Politik verfolgte. Er respektierte die samoanische Kultur und Tradition und förderte die Zusammenarbeit zwischen den Deutschen und den Samoanern. Er schuf ein gemischtes Verwaltungssystem, das aus deutschen Beamten und samoanischen Häuptlingen bestand, die für die lokalen Angelegenheiten zuständig waren. Er erließ auch eine Reihe von Gesetzen, die die Rechte und Pflichten der Samoaner regelten, wie zum Beispiel das Verbot der Sklaverei, die Einführung eines Mindestlohns, die Beschränkung des Alkoholkonsums und die Förderung der Bildung. Er gründete auch eine einheimische Polizeitruppe, die Fita-Fita, die aus Söhnen samoanischer Häuptlinge bestand und die als Leibgarde des Gouverneurs diente.

Die deutsche Herrschaft brachte auch wirtschaftliche und infrastrukturelle Verbesserungen für Samoa. Die Deutschen bauten Straßen, Brücken, Krankenhäuser, Schulen, Kirchen und öffentliche Gebäude. Sie erweiterten auch den Hafen von Apia und machten ihn zu einem modernen Handelszentrum. Sie förderten den Anbau von Kopra, Kaffee, Kakao, Baumwolle und anderen Produkten, die sie nach Deutschland und in andere Länder exportierten. Sie unterstützten auch die Entwicklung des Tourismus, indem sie Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten errichteten. Sie luden auch

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Kultureller Austausch

Die deutsche Herrschaft hatte auch einen Einfluss auf die Kultur und die Identität der Samoaner. Die Deutschen brachten ihre Sprache, ihre Religion, ihre Kunst, ihre Musik und ihre Lebensweise nach Samoa. Sie ermutigten die Samoaner, Deutsch zu lernen und sich dem Christentum anzuschließen. Sie förderten auch die kulturelle Vielfalt, indem sie Samoaner aus verschiedenen Inseln und Stämmen zusammenbrachten. Sie respektierten auch die samoanische Kultur und versuchten, sie zu verstehen und zu bewahren. Sie sammelten und dokumentierten die samoanische Geschichte, Mythologie, Sprache, Literatur, Musik und Kunst. Sie unterstützten auch die samoanischen Häuptlinge und ihre traditionellen Riten und Zeremonien. Sie schufen auch einen kulturellen Austausch zwischen Samoa und Deutschland, indem sie samoanische Delegationen nach Deutschland schickten und deutsche Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler nach Samoa einluden.

Einer der bekanntesten deutschen Besucher in Samoa war der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson, der 1890 nach Samoa kam und sich in Vailima niederließ. Er wurde von den Samoanern als Tusitala, der Geschichtenerzähler, verehrt. Er schrieb mehrere Werke über Samoa, wie zum Beispiel die Erzählung “Die Strand von Falesa” und die Sammlung von Gedichten “A Footnote to History: Eight Years of Trouble in Samoa”. Er setzte sich auch für die Rechte und die Würde der Samoaner ein und kritisierte die Kolonialmächte für ihre Einmischung. Er starb 1894 in Samoa und wurde auf dem Berg Vaea begraben, wo sein Grab noch heute zu sehen ist.

Ein anderer berühmter deutscher Besucher in Samoa war der Maler August Macke, der 1914 nach Samoa kam, um die Landschaft und die Menschen zu malen. Er war fasziniert von den Farben, dem Licht und der Schönheit Samoas. Er schuf mehrere Gemälde, die das Leben und die Kultur der Samoaner darstellten, wie zum Beispiel “Samoanische Landschaft”, “Samoanische Frauen” und “Samoanischer Markt”. Er war auch beeindruckt von der Gastfreundschaft und der Freundlichkeit der Samoaner, die er in seinen Briefen an seine Frau Elisabeth beschrieb. Er verließ Samoa jedoch nach nur drei Monaten, als der Erste Weltkrieg ausbrach und er nach Deutschland zurückkehren musste. Er starb 1914 in Frankreich an der Front.

Ende der deutschen Herrschaft

Der Erste Weltkrieg bedeutete das Ende der deutschen Herrschaft über Samoa. Obwohl Samoa weit weg von den Kriegsschauplätzen war, wurde es zu einem Ziel für die Alliierten, die die deutschen Kolonien erobern wollten. Im August 1914 erklärte Neuseeland, das ein Teil des Britischen Empire war, den Krieg an Deutschland und entsandte eine Expeditionstruppe nach Samoa. Die Deutschen waren nicht auf einen Angriff vorbereitet und hatten nur eine kleine Garnison von etwa 100 Soldaten und 50 Polizisten. Sie leisteten keinen Widerstand und ergaben sich kampflos den Neuseeländern, die am 29. August 1914 in Apia landeten.

Die neuseeländische Besetzung von Samoa war jedoch nicht von Dauer. Nach dem Krieg wurde Samoa zu einem Mandatsgebiet des Völkerbunds, das von Neuseeland im Namen der internationalen Gemeinschaft verwaltet werden sollte. Die Neuseeländer versprachen, die samoanische Kultur und Autonomie zu respektieren und die Entwicklung des Landes zu fördern. Sie erließen jedoch eine Reihe von repressiven Maßnahmen, die die Samoaner entmündigten und unterdrückten. Sie schafften das gemischte Verwaltungssystem ab und ersetzten es durch ein autoritäres System, das von neuseeländischen Beamten kontrolliert wurde. Sie verboten auch die samoanische Sprache, die samoanische Flagge, die samoanische Hymne und die samoanischen Zeitungen. Sie unterdrückten auch die samoanische Religion und Tradition und zwangen die Samoaner, sich dem protestantischen Christentum anzuschließen. Sie missachteten auch die Gesundheit und das Wohlergehen der Samoaner und verursachten eine verheerende Grippeepidemie, die 1918 etwa ein Fünftel der Bevölkerung tötete.

Die Samoaner leisteten Widerstand gegen die neuseeländische Herrschaft und forderten ihre Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Sie gründeten eine nationale Bewegung, die Mau, die “fest” oder “stark” bedeutet. Die Mau wurde von Mataafa Iosefo angeführt, der 1918 aus dem Exil zurückkehrte und erneut zum König von Samoa proklamiert wurde. Die Mau organisierte Demonstrationen, Streiks, Boykotte und zivilen Ungehorsam gegen die neuseeländischen Behörden. Sie wurden jedoch von den Neuseeländern brutal unterdrückt, die Gewalt, Verhaftungen, Verbannungen und Hinrichtungen anwandten. Der Höhepunkt des Konflikts war das Massaker von Black Saturday am 28. Dezember 1929, als die neuseeländischen Truppen das Feuer auf eine friedliche Mau-Demonstration in Apia eröffneten und elf Samoaner, darunter Mataafa, töteten. Dieser Vorfall löste internationale Empörung aus und zwang die Neuseeländer, ihre Politik zu überdenken.

Erinnerung an Deutsch-Samoa

Die neuseeländische Herrschaft über Samoa dauerte bis 1962, als Samoa die erste unabhängige Nation im Pazifik wurde. Samoa bewahrte jedoch die Erinnerung an seine deutsche Vergangenheit, die einen Teil seiner Geschichte und Identität ausmachte. Die Samoaner erkannten an, dass die deutsche Herrschaft nicht nur negative, sondern auch positive Aspekte hatte, die das Land geprägt hatten. Sie bewahrten auch die kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften, die die Deutschen hinterlassen hatten. Sie behielten auch einige deutsche Wörter, Namen, Traditionen und Einflüsse in ihrer Sprache, ihrer Kultur, ihrer Religion und ihrem Alltag bei. Sie pflegten auch die Beziehungen zu Deutschland, das sich als Freund und Partner von Samoa erwies. Deutschland entschuldigte sich für seine koloniale Vergangenheit und unterstützte Samoa bei seiner Entwicklung und seinem Wohlstand. Deutschland und Samoa feierten auch gemeinsam das Jubiläum ihrer historischen Verbindung, die 1900 begann und 1914 endete.

Heute ist Deutsch-Samoa fast vergessen, aber seine Spuren sind noch immer in der Landschaft, der Sprache und der Identität der Samoaner zu finden. Deutsch-Samoa war eine friedliche und fruchtbare Kolonie, die von den Samoanern weitgehend akzeptiert wurde und die eine Reihe von sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritten erlebte. Doch der Erste Weltkrieg beendete abrupt die deutsche Herrschaft über Samoa und machte das Schicksal der Kolonie zu einem Spielball der Großmächte. Deutsch-Samoa war eine vergessene deutsche Übersee-Schutzgebiet, aber auch eine lebendige samoanische Erinnerung.

Quellen

  • [1] Hermann Joseph Hiery, The Neglected War: The German South Pacific and the Influence of World War I, University of Hawaii Press, 1995.

  • [2] Paul M. Kennedy, The Samoan Tangle: A Study in Anglo-German-American Relations 1878–1900, Routledge, 2013.

  • [3] Robert Louis Stevenson, A Footnote to History: Eight Years of Trouble in Samoa, BiblioBazaar, 2009.

  • [4] August Macke, Samoanische Landschaft, 1914, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Bonn.

  • [5] Malama

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