Die Hexenverfolgung von Dillingen und das Schicksal der Walpurga Hausmännin
- Januar 2026
Die Hexenverfolgung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zählt zu den dunkelsten Kapiteln der europäischen Geschichte. Besonders im süddeutschen Raum erreichten die Prozesse im 16. Jahrhundert eine erschreckende Intensität. Dillingen an der Donau, eine bedeutende Stadt im Hochstift Augsburg, wurde zu einem Zentrum dieser Verfolgungen. Der Fall der Hebamme Walpurga Hausmännin, die am 2. September 1587 hingerichtet wurde, steht exemplarisch für die Mechanismen, Ängste und Machtstrukturen jener Zeit.
Im späten 16. Jahrhundert befand sich das Deutsche Reich in einer Phase tiefgreifender Umbrüche. Die Reformation hatte religiöse Spannungen verschärft, Missernten, Seuchen und soziale Unsicherheit prägten den Alltag. In dieser Atmosphäre wuchs der Glaube an Hexerei als Erklärung für Unglück und Krankheit. Das Hochstift Augsburg, ein geistliches Territorium unter der Herrschaft eines Fürstbischofs, verfolgte eine besonders strenge konfessionelle Linie. Dillingen war nicht nur Verwaltungszentrum, sondern auch Sitz einer Universität, an der katholische Theologie gelehrt wurde. Gerade diese Verbindung von Bildung, kirchlicher Macht und obrigkeitlicher Gerichtsbarkeit begünstigte eine systematische Verfolgung vermeintlicher Hexen.
Walpurga Hausmännin lebte als Witwe in Dillingen und arbeitete über viele Jahre hinweg als offiziell zugelassene Hebamme. Ihre Tätigkeit brachte sie in engen Kontakt mit Geburt, Krankheit und Tod – Lebensbereiche, die im Volksglauben stark mit Magie und übernatürlichen Kräften verknüpft waren. Als soziale Außenseiterin ohne männlichen Schutz geriet sie zunehmend ins Visier der Obrigkeit. 1587 wurde sie verhaftet und der Hexerei beschuldigt. Die Anklagepunkte reichten von Teufelspakt über Schadenszauber bis hin zu Kindsmord und Vampirismus, Vorwürfe, die typisch für die Eskalation der Hexenprozesse jener Zeit waren.
Unter der Anwendung schwerer Folter legte Walpurga Hausmännin ein umfassendes Geständnis ab, das später als sogenannte „Urgicht“ bekannt wurde. Darin schilderte sie detaillierte Begegnungen mit dem Teufel, nächtliche Ausfahrten, Hexensabbate und die Verleugnung des christlichen Glaubens. Diese Aussagen entsprachen weniger der Realität als vielmehr den Erwartungen der Richter und Theologen. Das Geständnis wurde mehrfach abgeschrieben, verbreitet und diente in den folgenden Jahrzehnten als Vorlage für weitere Prozesse. Besonders bemerkenswert ist, dass der Fall durch Flugblätter und sogenannte Hexenzeitungen öffentlich gemacht wurde. Die Verbreitung dieser Berichte trug maßgeblich zur weiteren Anheizung der Hexenangst bei.
Am 2. September 1587 wurde Walpurga Hausmännin nach einem formell abgeschlossenen Prozess in Dillingen hingerichtet. Die genaue Art der Hinrichtung folgte dem damals üblichen Ritual: Nach der Verurteilung wurde sie öffentlich verbrannt, ein Akt, der sowohl Strafe als auch Abschreckung darstellen sollte. Ihr Tod markierte keinen Einzelfall, sondern war Teil einer ganzen Serie von Prozessen im Hochstift Augsburg, die zahlreiche Opfer forderten.
Der Fall Walpurga Hausmännin zeigt eindrücklich, wie eng Justiz, Kirche und öffentlicher Druck miteinander verflochten waren. Die Hexenverfolgung war kein spontaner Ausbruch von Aberglauben, sondern ein strukturiertes System, das auf Angst, Machtinteressen und religiöser Kontrolle beruhte. Dillingen an der Donau steht damit stellvertretend für viele Orte im Deutschen Reich, an denen Menschen aufgrund von Denunziation, sozialer Ausgrenzung und erzwungenen Geständnissen ihr Leben verloren.
Heute gilt Walpurga Hausmännin als eines der bekanntesten Opfer der süddeutschen Hexenverfolgung. Ihr Schicksal erinnert daran, wie gefährlich ideologische Verblendung und institutionalisierte Gewalt sein können. Die historische Aufarbeitung dieser Prozesse ist ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur und zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.
Quellen
https://de.wikipedia.org/wiki/Walpurga_Hausmännin Wikipedia
https://antonpraetorius.de/hexenprozesse/opfer-namen-und-orte/d-orte-und-namen/ antonpraetorius.de
https://www.nationalgeographic.de/geschichte/hexenverfolgung
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/
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