Weil sie Deutsche sind – Das Lager Wincklerbad 

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Als das Deutsche Reich am Ende des Zweiten Weltkrieges zusammenbrach, war es für die Deutsche Wehrmacht ein verzweifelter Kampf ums Überleben. Für die Zivilbevölkerung war es der Beginn eines Albtraums, denn sie wurde plötzlich zum Freiwild für die Rachegelüste des Feindes. Dieser hasste sie so sehr, dass er ihnen kein Erbarmen zeigte. Was die Deutschen in jenen Tagen erleiden mussten, war grausamer als alles, was sie sich je hätten vorstellen können.

Das Verhörzentrum Bad Nenndorf, auch bekannt als das Lager Wincklerbad, war ein Internierungslager in der britischen Besatzungszone Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Von Juni 1945 bis Juli 1947 wurden hier insgesamt 372 Männer und 44 Frauen inhaftiert und verhört, oft unter Anwendung von Folter.

Die Inhaftierten waren vorwiegend Personen, die als hohe Sicherheitsrisiken angesehen wurden, darunter hohe Funktionäre der NSDAP, Diplomaten, Offiziere der Wehrmacht sowie Personen, die der Spionage für die Sowjetunion verdächtigt wurden1.

Das Lager befand sich in der Badeanlage Winckler-Bad und angrenzenden Gebäuden in Bad Nenndorf. Benannt wurde es nach Axel Winckler, einem führenden Balneologen der Zeit. Ursprünglich als streng geheimes Gefängnis unter der Bezeichnung No. 74 Combined Services Detailed Interrogation Centre eingerichtet, stand es unter der gemeinsamen Verwaltung des britischen Geheimdienstes, der Rheinarmee und der britischen Militärregierung1.

Die Briten befürchteten Aufstände gegen die Besatzungsherrschaft sowie Terroranschläge des Werwolfs und griffen zu brutalen Befragungsmethoden, um Informationen zu gewinnen. In mindestens einem Fall sollen sie auch Folterwerkzeuge der Gestapo (wie Daumen- und Schienbeinschrauben) benutzt haben, die sie sich aus dem Hamburger KZ Neuengamme beschafft hatten1.

Als Internierte im Frühjahr 1947 in das Internierungslager Fallingbostel verlegt wurden, sickerte durch, dass in Bad Nenndorf katastrophale Zustände herrschten. Nach Interventionen der katholischen Kirche, eines britischen Kardinals und des Labour-Abgeordneten Richard Stokes wurde das Internierungslager geschlossen1.

Im Frühjahr 1948 kam es zu einem Prozess in London, bei dem Scotland Yard die Vorfälle untersuchte. Der Lagerkommandant Colonel Robin Stephens, einige Vernehmungsoffiziere und Wachen sowie der Lagerarzt wurden angeklagt. Im Prozess trat der Internierte Graf Robert Treusch von Buttlar-Brandenfels auf, der während und nach dem Krieg als Spion mehrfach die Seiten gewechselt hatte und in der Bad Nenndorfer Haft in der Wasserzelle zwölf durch Erfrierungen seine Zehen eingebüßt hatte. Nur der Lagerarzt wurde durch Entlassung aus der britischen Armee bestraft1.

Das Lager Wincklerbad bleibt ein mahnendes Beispiel für die Schrecken, die auch nach dem Ende des Krieges in der unmittelbaren Nachkriegszeit stattfanden. Es zeigt die Komplexität der Nachkriegsjustiz und die Schwierigkeiten, mit denen sich die Siegermächte bei der Bewältigung der NS-Vergangenheit konfrontiert sahen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Verh%C3%B6rzentrum_Bad_Nenndorf

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