Die Hexe von Dillenburg – Hexenverfolgung, Macht und Justiz im Deutschen Reich
- Januar 2026
Die Hexenverfolgung im Deutschen Reich zählt zu den dunkelsten Kapiteln der europäischen Geschichte. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert erreichte der Hexenwahn eine Intensität, die ganze Regionen prägte und zahllose Menschen das Leben kostete. Auch die Grafschaft Nassau-Dillenburg blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist das Schicksal der Margaretha Paulus, die als „Hexe von Dillenburg“ in die lokale Erinnerung einging und im Jahr 1650 hingerichtet wurde.
Dillenburg war im 17. Jahrhundert ein bedeutendes Verwaltungs- und Herrschaftszentrum der Grafschaft Nassau-Dillenburg. Die Region war geprägt von politischen Spannungen, wirtschaftlichen Unsicherheiten und den Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges. Hunger, Seuchen und soziale Not schufen ein Klima der Angst, in dem übernatürliche Erklärungen für Leid und Unglück zunehmend Akzeptanz fanden. Die Obrigkeit griff diese Ängste auf und nutzte sie, um soziale Kontrolle auszuüben und bestehende Machtstrukturen zu festigen.
Die Hexenverfolgung in Nassau-Dillenburg folgte den im Deutschen Reich weit verbreiteten Mustern. Grundlage bildeten zeitgenössische Rechtsauffassungen, die Hexerei als schweres Verbrechen gegen Gott, die Gemeinschaft und die weltliche Ordnung betrachteten. Gerichte stützten sich auf die peinliche Befragung, also Folter, um Geständnisse zu erzwingen. Diese Praxis war rechtlich legitimiert und wurde als notwendiges Mittel zur Wahrheitsfindung angesehen. Die Verfahren waren selten fair, da Denunziationen, Gerüchte und persönliche Feindschaften häufig den Ausgang bestimmten.
Margaretha Paulus geriet in diesem Umfeld ins Visier der Justiz. Über ihre Herkunft und ihr Leben vor dem Prozess ist nur wenig überliefert, was typisch für viele Opfer der Hexenverfolgung ist. Bekannt ist jedoch, dass sie im Jahr 1650 in Dillenburg der Hexerei beschuldigt wurde. Die Anklagepunkte entsprachen dem gängigen Repertoire der Zeit: Schadenszauber, Teufelspakt und die Verursachung von Krankheit oder Unglück. Solche Vorwürfe ließen sich kaum widerlegen, da sie auf Glaubensvorstellungen und nicht auf überprüfbaren Tatsachen beruhten.
Der Prozess gegen Margaretha Paulus wurde vor einem lokalen Gericht der Grafschaft Nassau-Dillenburg geführt. Wie archivalische Hinweise nahelegen, entsprach das Verfahren den damals üblichen juristischen Standards, die aus heutiger Sicht jedoch gravierende Rechtsverletzungen darstellen. Unter dem Druck der Verhöre und der Androhung oder Anwendung von Folter legte Margaretha Paulus schließlich ein Geständnis ab. Solche Geständnisse galten als unumstößlicher Beweis der Schuld, selbst wenn sie unter Zwang zustande gekommen waren.
Die Verurteilung führte zur Hinrichtung, die im Jahr 1650 vollzogen wurde. Die genaue Art der Exekution ist nicht in allen Details dokumentiert, doch ist davon auszugehen, dass sie den regional üblichen Formen entsprach, etwa durch Enthauptung oder Verbrennung. Die öffentliche Vollstreckung sollte abschreckend wirken und die Macht der Obrigkeit demonstrieren. Gleichzeitig diente sie der symbolischen Reinigung der Gemeinschaft von dem vermeintlichen Übel der Hexerei.
Der Fall der Margaretha Paulus steht exemplarisch für die Mechanismen der Hexenverfolgung im Deutschen Reich. Er zeigt, wie eng religiöse Vorstellungen, juristische Praxis und politische Interessen miteinander verflochten waren. In der Grafschaft Nassau-Dillenburg wurden Hexenprozesse nicht isoliert geführt, sondern waren Teil einer umfassenderen Strategie zur Stabilisierung von Ordnung und Autorität in einer Zeit tiefgreifender Krisen.
Heute wird die Hexenverfolgung in Dillenburg und der gesamten Region zunehmend historisch aufgearbeitet. Archive und Forschungseinrichtungen stellen Quellenmaterial zur Verfügung, das eine differenzierte Betrachtung ermöglicht. Die Erinnerung an Margaretha Paulus mahnt, wie gefährlich Angst, Aberglaube und Machtmissbrauch sein können, wenn sie durch staatliche Strukturen legitimiert werden. Ihr Schicksal ist ein stilles Zeugnis für die vielen namenlosen Opfer, die der Hexenwahn im Deutschen Reich forderte.
Quellen
Deutsche Digitale Bibliothek – Archivalien zur Grafschaft Nassau-Dillenburg und Dillenburg Deutsche Digitale Bibliothek
Anton-Praetorius-Archiv – Dokumentationen zur Hexenverfolgung in der Region Dillenburg anton-praetorius.de
Archivportal-D – Bestände zu Hexenprozessen im Fürstentum Dillenburg Archivportal-D
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