Der Fall von Saigon am 30.04.1975 – das Ende des Zweiten Indochinakrieges

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Am 30.04.1975 war mit der nordvietnamesischen Einnahme von Saigon, der Hauptstadt  Südvietnams, der US-Vietnamkrieg zu Ende. Elf Jahre lang, von 1964 – 1975, versuchte die VSA dem kommunistischen Nordvietnam beizukommen; es war vergeblich. Millionen Tote, Umweltschäden, die bis heute andauern, vernichtete Dörfer in Nordvietnam. Das sind die Lasten, die in Vietnam bis heute das tägliche Leben bestimmen.

Beachten Sie bitte auch das angefügte Video…

Kleines, aber tapferes Land…

Die Vietnamesen haben der Welt bewiesen, dass ein kleines, eigentlich unbedeutendes Land, Großmächte bezwingen kann. Und unendliche Großmächte hatten vor der VSA bereits versucht, dem Land beizukommen: Frankreich. Japan, und so dann die VSA. Alle wurden besiegt und mussten schamvoll den militärischen Rückzug antreten.

Vorgeschichte

(Gesamt-)Vietnam war im Zeitraum vom 18.05.1858 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs eine französische Kolonie. Während des Zweiten Weltkrieges besetzte Japan das Land. Ab 1946 bis 1954 versuchte Frankreich im Ersten Indochinakrieg das Land erneut unter seiner Kontrolle zu bekommen, scheiterte jedoch. Japan und Frankreich mussten hautnah miterleben, dass das vermeintlich kleine Vietnam keine leichte Beute war, und sich zu wehren verstand, schließlich wurden beide Staaten erfolgreich vor die Türe gesetzt.

Aufteilung Nord- und Süd-Vietnam

Als Folge dessen wurde das Land ab dem 17. Breitengrad in zwei Zonen aufgeteilt: Nordvietnam mit Hanoi als Hauptstadt und Südvietnam mit Saigon als Hauptstadt. Der Norden wurde kommunistisch, während der Süden kapitalistisch blieb.

Weiterhin trafen hier nun zum Unglück der Vietnamesen zwei gegensätzliche Wirtschaftssysteme aufeinander, vertreten durch die bekannten Großmächte mit Expansionsanspruch aufeinander, VSA als westliches, kapitalistisches Wirtschaftssystem und die Sowjetunion als östliches, kommunistisches Wirtschaftssystem, die beide in Vietnam einen Stellvertreterkrieg vom Zaun brachen.

Die VSA unterstützten den Süden, während die Sowjetunion sich dem Norden anbot. Es brach 1964 der Zweite Indochinakrieg (Vietnamkrieg) aus, bei dem Nordvietnam durch die schweren Angriffen der VSA in Grund und Boden bombardiert wurde.

Fall Saigons – Was war geschehen?

Bereits seit Jahren protestierten weltweit Menschen gegen den Krieg in Vietnam. Dieser Krieg war der erste Krieg im TV. Ein Heer von Kriegsberichterstattern sorgte dafür, dass allabendlich der Vietnamkrieg – mit Propagandabildern der VSA als Sieger im Kampf gegen die Kommunisten im Norden – in die heimischen Fernseher gelangte. Doch es wurden auch Berichte öffentlich, die die Schrecken des Krieges, die Gewalt der VSA gegen einfache Vietnamesen, zeigten. Die weltweite Stimmung war gegen die VSA.

Seit 1964 wurden Tausende Soldaten nach Vietnam entsandt, die Mehrzahl verstarb dort. Der Krieg, der als kurzer Krieg von der Regierung propagiert wurde, dauerte bereits über ein Jahrzehnt und verschlang Millionen US-Dollar.

US-Kongress verweigert die Kriegsfinanzierung

Der US-Kongress folgte dem Präsidenten schließlich im Jahre 1975 nicht mehr und sperrte die Kriegsfinanzierung. Gleichzeitig kamen die permanenten Anti-Kriegs-Demonstrationen hinzu, die Wahlen waren gefährdet

Unbesiegbare Großmacht VSA?

Und dann die militärische Situation in Vietnam. Die Amerikaner wurden anfangs von den Südvietnamesen freudig als Beschützer begrüßt, doch diese Freude war nur von kurzer Dauer. Die Bilder der von den Amerikanern angerichteten Massaker im Norden veranlassten im Laufe der Zeit viele Südvietnamesen zum Vietcong des Nordens überzulaufen. Zudem schossen die Amerikaner auch im Süden auf einfache Reisbauern auf den Feldern, löschten mit Napalm ganze Landstriche aus, und mit dem Einsatz von “Agent Red” wurden ganze Regenwälder entlaubt.

Kurz: Die Stimmung bei den Verbündeten im Süden kippte zugunsten des kommunistischen Nordens. Und die Vietnamesen hatten jahrhunderte Erfahrung im Kampf gegen Eindringlinge im Land.

Widerstand von unten – die Tunnel

Sie gingen im wahrsten Sinne des Wortes in den Untergrund. Teils gab es schon kilometerweite Tunnel unter Vietnam, doch im Kampf gegen den gemeinsamen Feind VSA legten die Vietnamesen in Nord und Süd weitere unterirdische Tunnel an. Der Feind VSA wurde aus den Tunneln heraus bekämpft – und das sehr erfolgreich.

Da die Amerikaner oberirdisch alles bombardierten, was sich bewegte, wurden ganze Städte, teils mehrere Stockwerke tief, unterirdisch angelegt. Die Vietnamesen wohnten in Stollen unter der Erde, und konnten von hier aus unentdeckt kämpfen. Die Amerikaner waren jahrelang ahnungslos, wunderten sich über die überraschenden Angriffe des Vietkong und der Anzahl der getöteten Soldaten und den ebenso schnellen Rückzug des Vietkongs.

Und wurde von den Amerikanern ein Tunnelzugang entdeckt und dieser Tunnel gesprengt, legte das die Sabotageaktionen des Vietkong keinesfalls lahm. Denn das ganze Land war buchstäblich unterhöhlt. Der Vietkong schlug zu, und zog sich wieder zurück.

Militärische Niederlage

Letztendlich musste die VSA ihre militärische Niederlage zähneknirschend der Welt gegenüber eingestehen. Der vietnamesische Widerstand war zu groß, eine Schlacht nach der anderen ging verloren und Nordvietnam zog gen Süden. Versuche einer amerikanischen Gegenoffensive scheiterten krachend, der Norden zog Richtung Saigon, der südlichen Hauptstadt.

Der Fall von Saigon am 30.04.1975

Viel zu spät sah die VSA ein, dass der letzte Rückzugsort Saigon bald von NVA überrannt würde. Unter den Bewohnern Saigons, Vietnamesen und Amerikanern, brach Panik aus. Viele Vietnamesen in Saigon arbeiteten für die Amerikaner bzw. hielten politisch an den VSA fest. Niemand wollte dem Vietkong in die Hände fallen und gefangen werden. Auf Zusammenarbeit mit dem Feind VSA stand der Tod.

So flohen viele vietnamesische Einwohner in die US-Gebäude, auf denen die größte Evakuierung der Nachkriegsgeschichte anlief. Unzählige amerikanische Hubschrauber evakuierten in der Endphase in der Luft Amerikaner, Soldaten, Botschaftsangehörige – und Vietnamesen. Jeder wollte der Erste im Hubschrauber sein, es gab ein Drängeln um die Plätze. Ganze vietnamesische Familien wurden in Richtung VSA, nach Thailand bzw. auf Flugzeugträgern auf dem nahen Meer, ausgeflogen. Mit der Operation “Babylift” wurden vietnamesische Waisenkinder ausgeflogen. Binnen neun Tagen – vom 21.04. – 30.04.1975 – wurden hunderttausende Vietnamesen und Amerikaner aus Saigon gerettet.

“Operation Frequent Wind” vom 29.04. – 30.04.1975

Da dem Pentagon bekannt war, dass der Vormarsch des Nordens auf Saigon nicht mehr zu verhindern war, wurden alle verfügbaren Schiffe, Flugzeugträger, Hubschrauber mitsamt Personal in das naheliegende Meer beordert. 40.000 Amerikaner und Vietnamesen wurden auf die Schiffe eingeflogen, 2.000 vietnamesische Waisenkinder dorthin evakuiert.

Bis zum 28.04.1975 verlief die Evakuierung geordnet über den amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Saigons. Die militärischen Flugzeuge konnten auf den Flugzeugträgern starten und landen, die Passagiere mit Hubschrauber auf die einzelnen Begleitschiffe verteilt werden.

Ab diesem Tag wurde der Luftwaffenstützpunkt bombardiert, Flugverkehr war nicht mehr möglich. Es erfolgte am 29.04.1975 die End-Evakuierung mit Hubschraubern von den Dächern des CIA-Gebäudes, des Außenministerium von Südvietnam und zum Schluss vom Dach der VSA-Botschaft, die als letztes fiel.

Im letzten Flug am 30.04. wurden die letzten Marines evakuiert und Saigon dem Feind überlassen. Die Herrschaft der VSA war zu Ende.

Abertausende Vietnamesen drängten sich eng an eng auch auf dem Dach des CIA-Gebäudes, um ausgeflogen zu werden. Auf einer Treppe zum Landeplatz reihten sich in drei Reihen nebeneinander die panischen Vietnamesen, hofften, dass wenigsten ihre Kinder gerettet wurden.

Einmarsch in Saigon

Letztendlich marschierte der Norden in  Saigon ein; nach elf Jahren war das Land wieder vereint. Und wurde kommunistisch. Es fand gleich auch eine politische Bereinigung des Landes statt. Wer mit dem Feind VSA kooperierte, CIA-Kontakte hatte, oder wem dies nur nachgesagt wurde, wurde getötet oder eingesperrt.

Boat-People

Tausende Vietnamesen flüchteten daher auf das Meer und hofften in überfüllten Booten und Schiffen, von der Marine der VSA vor den Kommunisten gerettet zu werden.

Am 30.04.1975 war der Vietnamkrieg zu Ende. Es schlug die Stunde der Rache in Vietnam.

Dies war eine Kurzeinführung, im schnellen Galopp durch die Geschichte. Wir werden uns in den nächsten Teilen eingehender mit dem Thema befassen und auch tiefer in der Materie eintauchen.

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