Moderner Hexenwahn heute – Maria Kuman wurde öffentlich als Hexe verbrannt
- Dezember 2025
Im Jahr 2011 erschütterte ein besonders brutaler Fall von Gewalt die internationale Öffentlichkeit und lenkte den Blick auf ein tief verwurzeltes gesellschaftliches Problem in Papua-Neuguinea. In der Hochlandprovinz Chimbu, auch Simbu genannt, wurde die junge Frau Maria Kuman öffentlich gefoltert und schließlich verbrannt. Ihr Tod steht exemplarisch für eine Praxis, die in Teilen des Landes bis heute existiert: die Verfolgung und Tötung von Menschen aufgrund angeblicher Hexerei.
Papua-Neuguinea ist ein Staat mit großer kultureller Vielfalt, aber auch mit erheblichen sozialen Spannungen. In ländlichen Regionen, insbesondere im Hochland, sind traditionelle Glaubensvorstellungen fest verankert. Krankheiten, Todesfälle oder Unglücke werden dort häufig nicht medizinisch oder rational erklärt, sondern über spirituelle Ursachen gedeutet. Frauen geraten dabei besonders oft ins Visier, da sie gesellschaftlich benachteiligt sind und als vermeintlich schwächer gelten. Der Glaube an sogenannte „Sanguma“, eine Form der schwarzen Magie, ist in der Region Chimbu weit verbreitet und bildet den Nährboden für Gewalt.
Maria Kuman wurde beschuldigt, durch Hexerei den Tod eines Kindes verursacht zu haben. Ohne Beweise, ohne rechtliches Verfahren und ohne Möglichkeit zur Verteidigung wurde sie von Dorfbewohnern verschleppt. Augenzeugenberichten zufolge wurde sie über Stunden hinweg misshandelt, mit glühenden Eisen verbrannt und schließlich öffentlich getötet. Die Tat geschah vor den Augen zahlreicher Menschen, darunter auch Kinder. Videos und Berichte über den Vorfall verbreiteten sich rasch und lösten weltweit Entsetzen aus.
Der Fall machte deutlich, wie schwach staatliche Strukturen in abgelegenen Regionen Papua-Neuguineas sind. Polizei und Justiz sind dort oft kaum präsent oder greifen zu spät ein. Menschenrechtsorganisationen kritisierten, dass Täter häufig straffrei bleiben und Opfer keinen Schutz erfahren. Amnesty International dokumentierte bereits in den Jahren zuvor zahlreiche ähnliche Fälle und sprach von systematischer Gewalt gegen Frauen, die durch Untätigkeit der Behörden begünstigt werde. Auch die Vereinten Nationen äußerten sich besorgt über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen.
Die Regierung von Papua-Neuguinea reagierte nach internationalem Druck mit Ankündigungen, härter gegen Hexenverfolgung vorzugehen. Gesetze, die solche Taten ausdrücklich unter Strafe stellen, wurden verschärft, und Aufklärungskampagnen sollten traditionelle Mythen entkräften. Dennoch zeigen Berichte aus den Folgejahren, dass die Umsetzung dieser Maßnahmen nur schleppend vorankommt. In vielen Dörfern haben lokale Machtstrukturen weiterhin mehr Einfluss als staatliche Institutionen.
Der Tod von Maria Kuman ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Problems, das tief in sozialen, kulturellen und ökonomischen Strukturen verwurzelt ist. Armut, mangelnde Bildung und fehlender Zugang zu medizinischer Versorgung verstärken den Glauben an übernatürliche Erklärungen. Frauen, die verwitwet sind, keine männlichen Angehörigen haben oder als unangepasst gelten, sind besonders gefährdet. Ihr Schicksal hängt oft vom Willen der Dorfgemeinschaft ab.
Internationale Aufmerksamkeit hat dazu beigetragen, das Thema sichtbar zu machen, doch nachhaltige Veränderungen erfordern langfristige Anstrengungen. Bildung, Rechtsstaatlichkeit und der Schutz von Frauenrechten gelten als zentrale Faktoren, um solche Gewalttaten künftig zu verhindern. Der Name Maria Kuman bleibt dabei ein Mahnmal für die tödlichen Folgen von Aberglauben und gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Quellen
Amnesty International Jahresbericht Papua-Neuguinea 2011: https://www.amnesty.de/jahresbericht/2011/papua-neuguinea Amnesty International
Wikipedia – Chimbu Province: https://en.wikipedia.org/wiki/Chimbu_Province Wikipedia
Encyclopedia.com – Chimbu: https://www.encyclopedia.com/humanities/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/chimbu Encyclopedia.com
Berichte internationaler Medien und Menschenrechtsorganisationen zu Hexenverfolgung in Papua-Neuguinea (u. a. UN-Menschenrechtsausschuss, Amnesty International)
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