Katastrophen der Menschheit: Einsturz des Surfside-Gebäudes am 24.06.2021

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Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, von menschlichen und technischen Einwirkungen. Diese Katastrophe war gänzlich vermeidbar gewesen, hätte man die festgestellten Mängel auch zeitnah behoben. Baupfusch, Korruption, schlechte Planung, ein ungeeigneter Baugrund und aufgeschobene Reparaturen führten am 24.06.2021 gegen 01.22 h Ortszeit zum Einsturz eines der Surfside-Gebäude in Florida und zum Tode von 98 Menschen.

Surfside-Buildings

Der eigentliche Name dieser Gebäudestruktur heißt Champlain Towers Süd; es stand in der Stadt Surfside, Florida/USA. Das Gebäude ist eine Gesamtstruktur mit den Clamplain Towers Nord und Ost, die sich in der Nachbarschaft des eingestürzten Gebäudes befinden.

Anders als das Südgebäude stehen diese Gebäude auf geeignetem Grund. Das Gebäude wurde 1981 fertiggestellt. Es war L-förmig und bestand aus 12 Stockwerken, bestehend aus Eigentumswohnungen.

Während der Bauphase wurde noch ein Penthouse auf das Dachgeschoss gesetzt. Es ist strittig, ob diese Überlastung der Gebäudestruktur einer der Gründe des Zusammenbruches war. Das Untergeschoss bestand aus einem Parkhaus. Es gab noch einen Poolbereich. Der Pool war im Dach des Parkhauses eingelassen.

Mängel

Pool und Parkhaus

Öffentliche Videos in Sozialen Medien bezeugen mittlerweile den sehr schlechten Zustand des Gebäudes. Die Decke des Parkhauses war durchzogen von Rissen, zersetzt von Feuchtigkeit. Tatsächlich stellte man im Laufe der Untersuchung des Unglückes fest, dass aufgrund einer Fehlplanung des Pool-Bereiches Regenwasser nicht ablaufen konnte und in den Beton einsickerte; dies bereits seit Fertigstellung.

Daher tropfte das eindringende Wasser von der Decke des Parkhauses. Der Boden des Pool-Bereiches (gleichzeitig Decke des Parkhauses) zog Wellen, die Fließen waren locker.

Überhaupt war die gesamte Konstruktion des eingestürzten Gebäudes für die Umgebung nicht geeignet. Es gab gesamt Mängel, die in die Millionen gingen, würde man sie sanieren lassen. Der Pool und das Parkhaus waren noch kleine Mängel.

Bewehrungsstäbe

Bei der Untersuchung des Zusammenbruches des Gebäudes zeigte sich, dass beim Bau schwer gepfuscht wurde. Es wurden weniger Bewehrungsstäbe in den Beton eingelassen als eigentlich für die Statik erforderlich. Das bedeutet, dass die gesamte Tragstruktur des Gebäudes, die Säulen, für das spätere Endgewicht des Gesamtgebäudes nicht ausreichend waren.

Es stellt sich die Frage, ob das obendrauf gesetzte Penthaus aufgrund seiner Last dem Gebäude im Laufe der Zeit den Todesstoß gab. Auch gab es keine Möglichkeiten, im späteren Verlauf zu prüfen, ob tatsächlich wie vorgeschrieben alle Stäbe im Beton eingesetzt wurden.

Salzwasser

Durch die Risse in der Parkhausdecke sowie den Pfeilern drang Salzwasser hinein und wirkte im Laufe der 40 Jahre auf die Stäbe derart ein, dass die rosteten, was die Tragkraft nochmals verringerte.

Spätere Sondierungsarbeiten im Auftrag des Eigentümers, die das Ausmaß der Korrosion zeigen sollten, brachten eine fast gänzliche Korrosion der Stäbe zu Tage. 

Untergrund

Ebenso erwies sich bereits einige Jahrzehnte später der Baugrund als nicht geeignet zum Tragen des Gewichts des Gebäudes. Zwar wurden entsprechende Pfähle in den Untergrund eingelassen, doch aufgrund des  Kalksteinuntergrundes sackte das Gebäude jährlich knapp 0, 2 Millimeter in den Untergrund ein.

Sanierungsarbeiten

Den Mietern wurde vom Eigentümer auf Nachfrage erklärt, dass mit dem Gebäude alles in Ordnung sei. Dennoch wurde tragischerweise einige Wochen vor dem Einsturz mit den entsprechenden Sanierungsarbeiten in Millionenhöhe begonnen.

Das Unglück

Einige Stunden vor dem Zusammenbruch des Gebäudes hörten Mieter eigenartige Geräusche im Haus, die sie nicht zuordnen konnten. Später sagten sie, dass sie diese Geräusche zwar seltsam fanden, sich aber keine weiteren Gedanken darüber machten und schlafen gingen.

Gegen 01.10 h am Morgen erklang ein metallisches Kreischen im Gebäude, das einige Mieter aus dem Schlaf riss. Risse bildeten sich an den Wänden, die ständig größer und breiter wurden. 

Gegen 01.15 h erschütterte ein gigantischer Knall das Gebäude, der auch außerhalb des Gebäudes hörbar war und Nachbarn aus dem Schlaf schreckte. Eine Mieterin, die über die Risse an den Wänden in ihrer Wohnung besorgt war, eilte nach dem Knall aus dem Gebäude.

Eine Familie im Erdgeschoss berichtete, dass der Sohn sah, wie der Pool im Erdboden versank, gefolgt vom Boden. Sie eilten nach dem Knall ebenso nach draußen. Ein Mieter in einem oberen Geschoss wollte aus seiner Wohnung fliehen, aber das Treppenhaus war (nach dem Einsturz) mit Trümmern versperrt.

Tatsache ist, dass Überwachungskameras in der Nachbarschaft aufzeichneten, dass das Pooldeck mit Pool in das Parkhaus verschwand, gefolgt vom gesamten Deck. In der Lobby floß Wasser von der Decke (die Ursache dessen konnte nie geklärt werden) und der Fussboden schlug Wellen.

Nach dem Pooleinsturz ins Parkhaus gab die gesamte Struktur des Gebäudes nach. Um 01.22 h Ortszeit stürzte das Mittelgebäude ein. Das Ostgebäude, nun ohne Stütze, folgte wenige Sekunden später.

Aufgrund der Nachtzeit wurden sämtliche Mieter von den Trümmern begraben. Die Gebäude stürzten pfannenkuchenartig ein, Stockwerk auf Stockwerk. Für die Mieter gab es keine Überlebenschancen.

Aus dem einsturzgefährdeten Westgebäude (nun ebenfalls ohne Stütze), das noch stand, gab es für die Überlebenden keine Fluchtmöglichkeiten mehr. 

Bergung

Sofort nach dem Zusammenbruch liefen die Rettungsarbeiten an. Die Überlebenden aus dem Westgebäude mussten zuerst gerettet werden, da dieses Restgebäude jederzeit einstürzen konnte. Dennoch liefen die weiteren Bergungen trotz der Gefahr an; es galt, so viele Menschen zu retten wie möglich.

Aufgrund der pfannenkuchenartigen Anordnung der Trümmer waren die Bergungsarbeiten langwierig und schwierig. Da sich ein Hurrikan ankündigte, mussten nach wenigen Tagen, in denen nur Leichen geborgen wurden, eine wichtige Entscheidung geklärt werden.

In wenigen Stunden trifft der Sturm auf das Festland. Es wurden keine Überlebenden geborgen. Das Restgebäude kann jederzeit einstürzen. Im Hurrican bestünde die  Gefahr, dass Nachbargebäude von den Trümmern des einstürzenden Gebäudes – aufgrund der Windstärke – getroffen würden. Sprengung oder nicht?

Da keine Lebenden mehr geboren wurden, entschied man sich dazu, von Rettung auf Abtragung der Trümmer überzugeben. Das Restgebäude wurde gesprengt. Diese Entscheidung war nicht einfach und wurde in den Medien diskutiert.

196 Menschen überlebten, 98 Menschen starben. Die Ursache des Zusammenbruches konnte nie geklärt werden.

https://en.wikipedia.org/wiki/Surfside_condominium_collapse#Saltwater_corrosion_of_rebar

https://www.youtube.com/watch?v=oYYpfEvybvc

jeweils abgerufen am 12.1.2023