Katastrophen der Menschheit:  Untergang der Norman Atlantic am 28.12.2014

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Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, von menschlichen und technischen Einwirkungen. Diese Katastrophe war gänzlich vermeidbar gewesen, hätte man die festgestellten Mängel auch zeitnah behoben. Mangelhafte Technik, ungenügende Ausbildung der Mannschaft, mangelhafte Wartung und ein tatenloser Kapitän sorgten für den Tod von ungefähr 16 Menschen; die genaue Todeszahl dieses Unglückes in der Adria konnte nie geklärt werden.

Das Unglück

Am 27.12.2014 gegen 17.50 h verließ die Fähre Patras mit Kurs auf Ancona, wo sie eigentlich am nächsten Tag, dem 28.12.2014 gegen 20.30 h, ankommen sollte.

Nach einem Zwischenstopp in Igoumenitsa fuhr sie am 28.12.2014 um 01.50 h weiter auf ihrem Kurs. Man vermutet, dass die Fähre 222 Autos, 417 Passagiere und 55 Besatzungsmitglieder an Bord hatte; die genaue Anzahl von Fahrzeugen und Menschen sind nicht bekannt, da weder Ladelisten noch Passagierlisten geführt wurden.

Das Meer war rau, es wehte ein starker Wind, als gegen 05.15 h auf Deck 4 Feuervoralarm ausgelöst wurde. Der Diensthabende auf der Brücke entsandte einen Läufer zum Brandort, der allerdings lediglich Rauch aus der Kühleinheit eines Lasters auf dem Autodeck erkennen konnte, kein Feuer. Der Fall schien geklärt zu sein, als gegen 05.23 h vom gleichen Deck erneut ein Feueralarm auf der Brücke erklang, diesmal hatte die Brandmeldeanlage Flammen entdeckt.

Laut Meldeanlage  lag der Brandbereich genau unter den Unterkünften der Passagiere und Besatzung von Deck 5. Der alarmierte Kapitän eilte zur Brücke und erkannte dort Flammen aus den Fenstern aus Deck 4 schlagen. Es handelte sich daher um keine Falschdetektierung wie so oft; diesmal war es ernst, sehr ernst. Ein Brand auf einem Schiff ist für jede Besatzung der Alptraum auf See!

Umgehend wurde die Löschanlage für Deck 4 ausgelöst, in der Hoffnung, den Entstehungsbrand noch löschen zu können. Wie so oft in ernsten Situationen spielt die Technik verrückt. Anstatt mit Löschgas das brennende Deck 4 zu fluten, strömte aus irgendeinem Grund das Löschgas in den Maschinenraum, so dass die Maschinen keinen Sauerstoff mehr erhielten und verstummten; Deck 4 brannte weiter.

Auch wurde später festgestellt, dass die Sprinkleranlage zwar anlief, aber gänzlich außer Funktion war.

Nunmehr wurde eine bedrohliche Lage zu einer ernsthaften Lebensgefahr für die Passagiere und der Besatzung. Neben einem aus Kontrolle geratenen Feuer war das Schiff auch noch steuerlos.

Umgehend sandte der Kapitän gegen 05.38 h einen Notruf aus, der die Küstenwache in Brindisi erreichte. Weder vom Kapitän noch von der Mannschaft wurden laut Berichten der überlebenden Passagiere etwas unternommen, um die Passagiere in Sicherheit zu bringen. Es gab keinen Alarm und keine Anweisungen, das brennende Schiff zu verlassen.

Gegen 06.00 h erreichten erste Rettungsschiffe die treibende und brennende Fähre. Noch zahlreiche Schiffe werden in den nächsten Stunden der brennenden Fähre zur Hilfe eilen. Alleine der Frachter Aby Jeannette rettete 39 Menschen aus einer Rettungsinsel. Die Fähre Cruise Europa rettete 69 Menschen.

Dass überhaupt Rettungsboote und Rettungsinseln ins Wasser gebracht werden konnten, war ein Wunder, da an der brennenden Steuerbordseite der Fähre sämtliche Rettungsboote und Rettungsinseln mitsamt Rutsche durch den Brand zerstört wurden.

Da keine Anweisungen seitens der Mannschaft oder des Kapitäns kamen, entschlossen sich die Passagiere selber zu helfen und ließen von sich aus die Rettungsboote etc. zu Wasser. Die Mannschaft war damit beschäftigt, sich selbst zu retten, der Kapitän gab keinerlei Anweisungen, weder an die Besatzung noch an die Passagiere.

Letztendlich konnte der Brand gelöscht und bis auf 12 Menschen alle Passagiere und Besatzungsmitglieder gerettet werden. Das Schiff wurde vom Brand schwer beschädigt und zur Branduntersuchung in einen italienischen Hafen gezogen.

Untersuchungen

Bereits die Ermittlung der Schiffskommission am 02.02.2015 brachte erste schwere Mängel des Schiffes zu Tage. Griechenland gab der Reederei zwei Wochen Zeit, Mängel an der Notbeleuchtung, den Brandschutztüren und den Rettungskapazitäten an Bord des Schiffes zu beheben. Diese Mängel wurden augenscheinlich nicht behoben.

Als Ergebnis der Untersuchung wurde letztendlich festgestellt, dass die Einlässe der Sprinkleranlage mit Muscheln übersät waren und diese somit außer Funktion war. Anstatt mit Wasser wurde mit Rauch gelöscht, wie Augenzeugen berichteten. Es kam nämlich nur Rauch aus der Löschanlage.

Dies erklärt, weshalb sich der Brand ungehindert ausbreiten konnte. Die Ursache des Brandes konnte nicht geklärt werden. Auch die genaue Anzahl der Menschen an Bord ist ungewiss.

Die Tatsache, dass der Läufer Rauch aus der Kühleinheit eines Lasters erkannte, lässt vermuten, dass hier die Ursache der Katastrophe zu finden war. Scheinbar brannte die Klimaanlage.

Allerdings sind sämtliche Beweise für den Entstehungsbrand auf Deck 4 unrettbar im Feuer verbrannt.

https://en.wikipedia.org/wiki/MS_Norman_Atlantic

jeweils abgerufen am 28.12.2022