Katastrophen der Menschheit:  Untergang der Derbyshire am 20.06.2008

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Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, von menschlichen und technischen Einwirkungen. Diese Katastrophe war das bislang schwerste Schiffsunglück der Philippinen in der Neuzeit. Ein Taifun, zu eiliges Auslaufen der Fähre entgegen den Empfehlungen des Hafenkapitäns sowie der Küstenwache, mangelnde Schulung der Besatzung, fehlende Festlegung von Sicherheitsaufgaben sowie Gleichgültigkeit und  Fahrlässigkeit des Kapitäns, führten zum Tode von über 800 Passagieren nahe der Insel San Fernando.

Ausgangslage

Die MV Princess of the Stars wurde 1984 unter dem Namen Lilac als ROPAX-Fähre in Dienst gestellt. Die Jungfernfahrt begann am 10.07.1984 auf der Strecke Maizuru – Otaru über dem Japanischen Meer.

Sie war schon ein erstaunliches Schiff mit 193 Metern Länge und 29 Metern Breite. Sie wurde erbaut, um Räder, Autos und Passagiere durch raue See zu befördern. Ihre erste Überholung hatte sie im Jahre 1990, wobei auch ein zeitgemäßer Innenausbau verwirklicht wurde.

2004 erfolgte der Verkauf an die derzeitige Reederei Sulpicio Lines/Philippinen, wobei auch eine Umrüstung erfolgte. Sie konnte jetzt bis zu 1.992 Passagiere aufnehmen. Ihre Strecke war Manila – Cebu. Nach der Umrüstung galt sie als größte Fähre der Philippinen.

Während der nächsten vier Jahre erfolgten ihre Reisen ereignislos; bis zu diesem Tag.

Das Unglück

Die Fähre verließ den Hafen von Manila am 20.06.2008 mit 755 Passagieren sowie 111 Besatzungsmitgliedern, wobei die genaue Anzahl der Menschen an Bord nicht bekannt war. Die Spanne beträgt 886 Menschen bis 747. Fest steht leider, dass es 814 Tote und Vermisste gab, wobei glücklicherweise noch 56 Menschen gerettet werden konnten.

An diesem Tag sorgte Taifun Frank für sehr raue See. Trotz zahlreicher Warnungen der Hafenbehörde und der Küstenwache, nicht auszulaufen, entschied sich der Kapitän hierfür. 

Zwar war die Fähre für raue See erbaut worden und konnte mit dieser auch fertig werden, allerdings warnte der Wetterdienst vor dem Auslaufen vor Richtungsänderungen des Taifuns Frank; diese Warnungen wurden vom Kapitän offensichtlich ignoriert. Letztendlich kam es, wie es kommen musste, der Taifun traf mit der Fähre zusammen und brachte diese in eine arge Seenot.

Am 21.06.2008 um 12.30 h (Ortszeit) funkte die Fähre SOS; der Funkkontakt brach ab. Die Fähre kenterte letztendlich nahe der Insel San Fernando und trieb kieloben in rauer See in meterhohen Wellen und schwerem Sturm.

Rettungsversuche

Die Insel sandte ein Schnellboot, das die gekenterte Fähre entdeckte. Aufgrund des hohen Seegangs erfolgten für die Retter gefährliche Bergungen. Neben dem Schnellboot der Insel folgte dem Notruf auch einen Tag später ein weiteres Schiff, das allerdings keine weiteren Überlebenden entdecken konnte. Vier Menschen konnten auf einer nahen Insel schwimmen und wurden dort entdeckt.

Die Überlebenden berichteten von einem Chaos auf der Fähre, die aber keine Fehlfunktionen aufwies. Gegen 11.30 h (Ortszeit) wurden die Passagiere durch Lautsprecher aufgefordert, ihre Schwimmwesten anzulegen, 15 Minuten später erfolgte das Signal Schiff verlassen. Gegen 13.00 h kippte das Schiff zur Seite und lag kieloben im Wasser.

Seitens der Besatzung erfolgte keine Hilfestellung bei der Evakuierung, die Passagiere wurden sich selbst überlassen, während die Besatzung sich in Sicherheit brachte. Viele Passagiere wussten nicht, was geschah und waren ohne Schwimmwesten im Schiff unterwegs.

Die philippinische Marine und die Küstenwache suchten drei Tage lang nach Überlebenden und bargen nur Tote. Weitere Schiffe folgten dem Notruf und trafen am Unglücksort ein.

Untersuchung und Beschuldigungen

Fakt ist, dass der verantwortliche Kapitän alle Warnungen in den Wind schlug und trotz Taifun-Warnungen auslief. Er ging bewusst die Gefahr eines Kenterns ein. Dies war grob fahrlässig.

Diese Einschätzung teilten auch das Seegericht und die Angehörigen der Opfer. Das Schiff war technisch einwandfrei, was auch die Überlebenden berichten konnten.

Das Seegericht sprach den Kapitän sowie der Reederei der vorsätzlichen Herbeiführung eines Schiffsunfalls mit Todesfolge für schuldig. Der Reederei wurde die Lizenz entzogen, der Kapitän wurde vermisst.

Sowohl der Kapitän als auch die Reederei waren dazu sowohl gesetzlich als auch moralisch verpflichtet, die Passagiere sowie die Fracht sicher und unbeschadet zu befördern; diese Verpflichtung wurde durch das vorsätzliche Auslaufen verletzt.

Mehr als 800 Menschenleben büssten hierfür mit ihrem Leben.

https://en.wikipedia.org/wiki/MV_Princess_of_the_Stars#Disaster

https://de.wikipedia.org/wiki/Princess_of_the_Stars#:~:text=Zum%20Zeitpunkt%20des%20Ungl%C3%BCcks%20befanden,von%20denen%20nur%2056%20%C3%BCberlebten

jeweils abgerufen am 02.12.2022