Katastrophen der Menschheit:  Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes 21.09.1921

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Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, von menschlichem und technischem Versagen. Beständige Abläufe, Gewohnheiten sowie reiner Zufall führten zur ersten großen Explosion auf dem kommenden BASF-Gelände in Ludwigshafen mit ca. 559 Toten, tausenden Verletzten und einer gänzlich verwüsteten Stadt Oppau.

Ausgangslage

Die Oppauer Stickstoffwerke lagen auf dem Gelände der heutigen BASF in Ludwigshafen. Der nächstgelegene Ort war Oppau. Auf dem Gelände der Stickstoffwerke wurden Düngemittel produziert, genauer gesagt Ammoniumsulfatnitrat, das unter bestimmten Bedingungen zur Detonation neigt und auch als Sprengstoff genutzt werden kann.

Dies war beim Umgang mit diesem Stoff bekannt. Bei der Lagerung neigt dieser Gefahrstoff aufgrund seiner Restfeuchte nach der Produktion zur Klumpenbildung und wird im Laufe des Lagerprozesses hart wie Fels. Es ist daher notwendig, vor dem Verladen des Gefahrstoffes diese harte Masse durch Sprengungen zu “lockern”.

Während des Befüllens des Gebäudes OP111 mit diesem Stoff wird auf getrennte Haufenbildung des Gefahrstoffes geachtet, damit die Restfeuchte zu halten. Denn je trockener der Gefahrstoff wird, desto leichter kann er sich bis zu einer kritischen Masse entwickeln. Über Förderbänder wird der Stoff in das Gebäude eingefahren, auf Haufen verteilt; mittels einer Bodenöffnung kann der gelagerte Stoff ebenfalls über Förderbänder sodann verladen werden. 

Auch wurden stetig neue Verfahren entwickelt, um der unerwünschten Klumpenbildung zu entgehen. Am Vortag des Unglücks kam das neu entwickelte Sprühverfahren zum Einsatz, bei dem die Masse in die Lagerhalle versprüht wurde, um eine gleichmäßige Lagerung zu gewährleisten. Dies war ein gänzlich neues Verfahren und zuvor noch nicht angewandt worden. Die Gefahr bei diesem Verfahren bestand darin, dass innerhalb der Raumluft Massepartikel herumwirbelten, die sich zur kritischen Masse anreichern können (ähnlich einer Staubexplosion).

Wie bereits ausgeführt, neigt dieser Gefahrstoff allerdings zur Verklumpung, so dass sich über der Bodenöffnung Barrieren bildeten, die “gelockert” werden mussten. Aufgrund der Härte des Stoffes kam ein manuelles Lockern mittels Schaufeln oder Bagger nicht in Frage.

Ferner konnte es vorkommen, dass sich innerhalb dieses Gebäudes örtlich stärkere Konzentrationen des Gefahrstoffes bildeten, die zur Detonation neigten. Auch diese Gefahr war bekannt. Dennoch war die Sprengung das Mittel der Wahl und bislang ging es immer gut.

Die Katastrophe

Am Ereignistag begann der Sprengmeister, ein lizensierter Sprengmeister mit langer Erfahrung, gegen 07.00 h mit seiner Arbeit. Insgesamt hielten sich gegen 07:30 h ca. 2225 Personen auf dem Gelände auf, als gegen 07:32:14 h eine erste gewaltige Detonation das Gelände und die nahe und ferne Umgebung erschütterte; vier Sekunden später erfolgte die gewaltigere zweite Explosion.

Dieser Knall war bis München und sogar bis Zürich hörbar. Das Firmengelände und die nahe gelegene Ortschaft Oppau wurden durch die Druckwelle stark verwüstet. Gebäude stürzten ein und begruben Menschen unter sich. Tausende Menschen wurden verletzt, Dutzende unter dem Schutt begraben.

Nahegelegene Städte, Heidelberg bis hin nach Mannheim, meldeten danach Verwüstungen und starke Beschädigungen von  Gebäuden. 

Sofort liefen gewaltige Rettungsmaßnahmen für die Verschütteten und Verletzten an.  Die genaue Ursache der Katastrophe konnte nie ermittelt werden.Es wurde zusammenfassend vermutet,  dass das neuartige Sprühverfahren des Stoffes zwecks Lagerung für die Detonation verantwortlich wäre. Hierbei wird der Stoff nicht als Masse in die Lagerhallen mittels Förderbänder eingefahren, sondern durch Sprüheinrichtungen in die Halle eingesprüht, um die Masse gleichmäßiger zu verteilen. Hierbei verblieben allerdings Teilchen in der Luft, die eine explosionsfähige Masse bilden könnten. Dies wurde dem  Sprengmeister allerdings nicht mitgeteilt. 

Die genaue Anzahl an Toten und Verletzten ebenfalls nicht.

https://de.wikipedia.org/wiki/Explosion_des_Oppauer_Stickstoffwerkes

jeweils abgerufen am 23.05.2022

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