Katastrophen der Menschheit: Brand im Einkaufszentrum Kemerowo 25.03.2018

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Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, von menschlichem und technischem Versagen. Korruption, keine Betriebserlaubnis, eine vorsätzlich manipulierte Brandmeldeanlage ohne Funktion, ungenügende Feuerschutztechnik, schlechte Wartung, ungenügender Brandschutz, vorsätzlich verschlossene oder nicht vorhandene Notausgänge, verursachten gemeinsam den Tod von 41 Jugendlichen. Insgesamt verstarben 61 Menschen bei diesem Brandinferno in der russischen Industriestadt Kemerowo/Sibirien.

Diese Brandkatastrophe ist besonders unfassbar und stimmt traurig. Bei den bislang behandelten Katastrophen war immer auch Fahrlässigkeit involviert, die Handlungen der Verursacher fast immer nachvollziehbar. Hier allerdings kommt Vorsatz ins Spiel. Und Korruption und Geldgier. Und der Tod von 41 Kindern und Jugendlichen. 61 Menschen gesamt mussten hierfür sterben.

Örtlichkeit

Die russische Industrie- und Bergbaustadt Kemerowo liegt in Sibirien an der Tom. Sie ist die Hauptstadt des Bezirkes Kemerowo. Mit rund 530.000 Einwohnern auch die größte Stadt mit bedeutender verarbeitender Industrie.

Das Einkaufszentrum “Winterkirsche”

Dieses marode Einkaufszentrum besaß faktisch keine Betriebserlaubnis. Die gesamte Elektrotechnik im Gebäude war marode und brandgefährlich. Die Betriebserlaubnis wurde durch Schmiergeld erteilt. Im Kinderbetreuungszentrum gab es keine Notausgänge. Die Unterverteilung des Gebäudes besaß wohl überbrückte und/oder manipulierte Sicherungen, um Auslösungen und Stromausfälle zu vermeiden.

Besonders perfide ist der Umstand, dass die vorhandene Brandmeldeanlage vorsätzlich außer Funktion gesetzt wurde, um keine Feueralarme auszulösen! Am Tag des Geschehens war diese somit ohne Funktion!

Ebenso wurden brandfördernde Wandverkleidungen wie Plastik im Kinderbetreuungszentrum verwendet. Insgesamt war sowohl der technische als auch der bauliche Zustand des Gebäudes katastrophal, was erklärt, weshalb eigentlich keine Betriebserlaubnis erteilt wurde. 

Die Katastrophe

Der Brand brach am 15.03.2018 gegen 14.00 h Ortszeit im Kinderbetreuungszentrum durch einen Schmorbrand in der Unterverteilung aus. Schmelzwasser tropfte durch das undichte Dach auf eine marode Elektroleitung hinter einer Wand im Kinderbetreuungszentrum, in dem sich gerade Kinder befanden. 

Aufgrund der ungenügenden Unterverteilung und den überbrückten Sicherungen wurde dieser Schmorbrand in der Stromleitung nicht automatisch unterbunden, so dass ein offener Brand entstand, angefacht durch die brennbare Plastikverkleidung der Wand. Im Kinderzentrum gab es keinen Notausgang, als die Katastrophe begann.

Im Gebäude wurde kein akustischer Feueralarm ausgelöst, so dass die Kunden und Angestellten vom Brandrauch wohl überrascht wurden. Die Notausgänge, sofern es sie denn gab, waren vom flüchtenden Sicherheitspersonal verschlossen worden; so wurden die Jugendlichen im Kino eingeschlossen und konnten nicht mehr flüchten. Ich hoffe, dass sie vom giftigen Brandrauch vorher ohnmächtig wurden; Sie wissen sicherlich, was ich hiermit meine.

[…] Ein Mädchen rief Berichten zufolge aus dem brennenden Kinosaal noch seine Eltern an und verabschiedete sich mit den Worten: «Wir brennen. Ich liebe euch, macht’s gut. Ich kann nicht atmen.»[…]

Unfassbar traurig…

Und “selbstverständlich” besaß das umgebaute Gebäude, das früher eine Süßwarenfabrik war und als Einkaufszentrum umgebaut wurde, keine Sprinkleranlage. 

Nachwirkungen

Am 28.03.2018 wurde ein nationaler Trauertag in Russland ausgerufen; Präsident Putin erklärte diese unfassbare Tragödie zur Chefsache. […] „Ohne Geld kriegt man keine Bescheinigung. Für Geld kriegt man alles Mögliche unterschrieben.“[…]

Die Einwohner der Stadt nahmen diese Katastrophe nicht einfach hin, sondern forderten nachdrücklich durch öffentliche Proteste Aufklärung über die Ursachen dieser Katastrophe. Sie prangerten die offene Korruption an, die die Ursache dessen war. Die Verantwortlichen wurden sehr rasch gefunden, eingesperrt und der Justiz zugeführt.

Was nehmen wir hierdurch mit? Dass vorbeugender und aktiver Brandschutz Leben retten kann. In all den bislang bearbeiteten Fällen zeigte sich im Nachgang, dass die Verantwortlichen vor dem Unglück fast nie über einen möglichen Brand nachdachten und im Alltagstrott verfielen, den Brandschutz schleifen ließen.

Persönlich sehe ich seit dem Schreiben dieser Reihe “Katastrophen der Menschheit” auch im Alltag Brandschutzeinrichtungen und den Brandschutz in Gebäuden mit ganz anderen Augen, und scheue mich auch nicht, Missstände z. B. in einem Geschäft offen anzusprechen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kemerowo#Wirtschaft

https://de.wikipedia.org/wiki/Brandkatastrophe_in_Kemerowo

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/brandkatastrophe-in-sibirien-kemerowo-nimmt-abschied-von-den-toten/21125298.html

https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-03/brand-kemerowo-russland-korruption-feuerunfaelle

https://www.merkur.de/welt/viele-tote-bei-einkaufszentrum-brand-in-sibirien-zr-9726967.html

jeweils abgerufen am 11.05.2022

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