Katastrophen der Menschheit:  Brandanschlag auf Discothek Göteborg 30.10.1998

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Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, von menschlichem und technischem Versagen. Wie in diesem Fall. Zugestellte Notausgänge, verstellte Fluchttreppenhäuser, Panik, ein Brandanschlag und ein überfüllter Tanzsaal führten zum Tode von 63 Jugendlichen in einer Diskothek in Göteborg im Jahre 1998.

Örtlichkeit

Anlässlich einer Helloween-Nacht sollte in einem Tanzsaal eine amtlich gemeldete “Geburtstagsfeier”, in Wahrheit eine Discothek, stattfinden. Das Gebäude war ursprünglich ein Industriebetrieb mit zahlreichen Um- und Anbauten. Das derzeitige Gebäude besaß zwei Fluchttreppenhäuser sowie Notausgänge mit einer tatsächlichen Türbreite von ca. 0, 85 cm. Die Breite der Treppen betrug 1,40 m.

Bei diesen Massen durfte dieses Gebäude lediglich nur 140 Personen zeitgleich beherbergen. Eines der beiden Treppenhäuser wurde als  Fluchttreppenhaus genutzt, das andere als Eingang. 

Das Gebäude entsprach den Brandschutzbestimmungen; bis auf kleinere Beanstandungen bei behördlichen Überprüfungen, die jeweils sofort behoben wurden, gab es keinerlei Beanstandungen, so dass die geplante “Geburtstagsfeier” stattfinden konnte.

Die Veranstaltung

Gegen 18.00 h wurde der Saal für die geplante Nutzung hergerichtet, wobei überschüssige Stühle auf Stapeln im Fluchttreppenhaus gelagert wurden; somit war das Treppenhaus verstellt! 

Zudem wurde im Eingangs-Treppenhaus die Breite der Eingangstüre mit einem Tisch, der als Einlasskontrolle diente, auf die Hälfte verkleinert. Es war nur noch ein Durchkommen auf 0,45 cm möglich. Die  Gäste mussten sich am Tisch “vorbeiquetschen”.

Gegen 21.00 h erfolgte der Einlass der Gäste. Es kam, wie es kommen musste: Die genehmigte Anzahl der Gäste wurde mit 359 Personen über das Zweifache überdehnt. Es waren zu viele Gäste anwesend.

Wie sich später herausstellte, wurde eine Gruppe Jugendlicher bei der Einlasskontrolle zur Feier von den Türstehern abgewiesen. Ein Jugendlicher, der sich für die Abweisung seiner Kumpels rächen wollte, überschüttete die Stapel Stühle mit einer brennbaren Flüssigkeit und entzündete diese um ca. 23.25 h.

Der Brand

Einige Überlebende dieses Brandes schilderten später, dass sie zu diesem Zeitpunkt Brandgeruch wahrnahmen und auch Rauch sahen, dies aber als Disconebel abtaten. Ein Partyeffekt eben. 

Gegen ca. 23.35 h entdeckte einer der drei Discjockeys einen Brand im Treppenhaus. Die automatische Brandmeldeanlage war abgeschaltet, so dass im Gebäude kein Feueralarm ausgelöst wurde; auch erfolgte somit kein Brandalarm bei der Feuerwehr!

Die Gäste wurden aufgefordert, ruhig das Gebäude zu verlassen. Der Großteil der Gäste kam dieser Aufforderung sofort und ruhig nach und verließ das Gebäude entsprechend, wurden allerdings von den Türstehern aufgefordert, den eingelassenen Gästen Platz zu machen.

Diese Überlebenden schilderten später, dass am Ausgang kein Gedränge herrschte. Der andere Teil der Gäste im Gebäude nahm die Räumungsaufforderung hingegen nicht ernst, zumal nach der Aufforderung noch ein Rapper auftrat. 

Erst nachdem der sich weiterhin ausbreitende Rauch deutlich zu sehen war, geriet die Situation zunehmend außer Kontrolle; die panischen Gäste flohen vor dem Rauch Richtung (einzigen) Ausgang, der nun vom Tisch blockiert wurde. Dieser wurde zuvor zwar entfernt, rutschte durch das Gedränge der fliehenden Gäste jedoch wieder hinter einer Tür hervor und blockierte einen der beiden Flügel der Türe.

Fliehende stürzten im Gedränge zu Boden, wurden von anderen Gästen überrannt, wieder andere stürzten zu Boden, so dass sich vor dem einzigen Türflügelausgang eine dichte Menschentraube bildete – der Ausgang war von Menschen versperrt.

Andere Gäste schlugen Fenster ein und sprangen aus den Fenstern. Der Rauch und das Feuer hatten jetzt den Saal erreicht.

150 Menschen gelang zuvor die Flucht aus der einzigen Türe oder den Fenstern, als der gesamte Saal in Flammen stand. Erst gegen 00.15 h konnte der Menschenknäuel vor der Türe von der Feuerwehr entwirrt werden. Insgesamt konnten 229 Menschen aus dem brennenden Gebäude fliehen; 37 davon aus den Fenstern.

Gegen 23.42 h kamen erste Notrufe bei der Feuerwehr und Polizei an und berichteten von einem Gebäudebrand und dass Menschen aus brennenden Fenstern springen würden. Gegen 23.45 erfolgte die erste Alarmierung der Feuerwehr seitens der Zentrale; man ging von einem gewöhnlichen Gebäudebrand aus.

Aufgrund dieses entsetzlichen Missverstehen des Notrufes wurde wertvolle Zeit verloren, die möglicherweise Menschenleben forderte.  Gegen 23.49 h trafen die ersten Feuerwehreinheiten am Brandort ein und erkannten das wahre Ausmaß der Katastrophe, da das Feuer nun auf das benachbarte Theater überschlug; auch dort waren Menschen, die eine Veranstaltung besuchten. Im lichterloh brennenden Brandort befanden sich noch 100 Jugendliche.

Gegen 00.30 h konnten keine Menschen mehr aus dem Gebäude von der Feuerwehr gerettet werden; die Löscharbeiten begannen.

Aufgrund des traurigen Missverständnis bei der Notrufaufnahme, bei der irrtümlich von einem gewöhnlichen Gebäudebrand ausgegangen wurde, verzögerte sich neben der Brandbekämpfung eines Discobrandes auch die Arbeit der Rettungseinheiten. Die eintreffenden Rettungswagen mit Ärzten reichten für die dutzenden Verletzter bei Weitem nicht aus. Es verging erneut wertvolle Zeit für medizinische Notfallbehandlungen.

Insgesamt starben bei diesem Brandanschlag 63 Jugendliche, 214 Jugendliche wurden schwer verletzt. Die Täter wurden ermittelt und bestraft. 

http://katastrophen.anabell.de/feuerkatastrophen/feuerkatastrophen.php

https://sv.wikipedia.org/wiki/Diskoteksbranden_i_G%C3%B6teborg#Bakgrund

https://www.spiegel.de/panorama/disko-brand-in-goeteborg-hohe-haftstrafen-fuer-vier-jugendliche-a-80137.html

jeweils abgerufen am 03.04.2022

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