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Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, vom menschlichen und technischen Versagen. Wie in diesem Fall. Ein Zirkuszelt aus Nylon, damals hochmodern, überfüllt mit 2.500 Zuschauern, mit keinerlei Brandschutzausstattung, eine Menge Kinder und eine Brandstiftung, führten zu größten Brandkatastrophe Brasiliens mit ca. 300 Toten, meistens Kindern.

Der Gran Circus Norte-Americano bewarb diese Vorstellung am 15.12.1961 in der brasilianischen Stadt Niteroi mit den Worten: 

[…] „der größte und vollständigste Zirkus Lateinamerikas“ angepriesen. „So etwas haben Sie noch nie gesehen! Vier Elefanten! Giraffe! Löwen! Tiger! Trapezkünstler! Luftakrobaten! Jongleure! Clowns! Seiltänzer!“[…]

Und entsprechend gut besucht mit Kindern aus dem nahen Armenviertel Niterois war auch diese verhängnisvolle Nachmittagsvorstellung, die sich diese seltene Zirkusvorstellung nicht entgehen lassen wollten. An die 2.500 Zuschauer drängten sich an diesem Nachmittag in das Zelt, dicht an dicht standen die Klappstühle nebeneinander. 

Doch nicht nur Kinder wollten diese angepriesenen Attraktionen sehen, auch Jugendliche, wie Edenir Gonvales mit ihrer Mutter und ihrer Schwester sowie Luís Gomes da Silva mit seiner damaligen Verlobten, wollten sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen.

Für die beiden Überlebenden sollte sich dieser schreckliche Nachmittag als ein Tag ohne Ende erweisen, wie sich Luis heute ausdrückt.

Gerade für ihn erweist sich dieses Ereignis, was an diesem Tage geschehen würde, als ein Schrecken ohne Ende, als ein Alptraum, der ihn jede Sekunde seines Lebens Lebens heimsucht, ohne ein Ende zu finden. Er hat überlebt – doch um welchen Preis?

Circuszelt, Nachmittagsvorstellung, 15.12.1961

Die Werbung für diese Veranstaltung hielt ihr Wort, darin sind sich die beiden Überlebenden einig. Luis sitzt neben seiner Verlobten, Edenir inmitten ihrer Mutter und der Schwester, beide rechts und links neben ihr.

2.500 Zuschauer verfolgen die spannende und atemberaubende Vorstellung, die Kinder rufen und sind ganz in der dargebotenen Vorstellung vertieft, als die Trapezkünstlerin in ihrer Vorstellung auf dem hohen Trapez plötzlich verharrt und entsetzt “Feuer!” ruft. Im Zelt hatte sich ein Brand entwickelt. Binnen drei Minuten standen Mensch und Tier im engen, überfüllten Zelt in Flammen.

Luis reagierte nicht schnell genug; seine Verlobte neben ihm schreit plötzlich, Luis dreht sich zur ihr um – sie brannte und schaute ihn mit entsetzten Augen an. Ihr Haar, ihre Kleidung, alles brannte…. Luis versuchte ihr zu helfen – und stand plötzlich selber in Flammen.

Edenir gelangte nach draußen. Wie, weiß sie nicht. Sie sieht draußen, wie das brennende Nylonzelt auf die schreienden Menschen und Tiere fällt.

Das Nylonzelt, damals als Neuerung vom Zirkus beworben, fing Feuer, die Halteseile ebenso, und die Menschen mit Tieren wurden darunter gefangen. 

Menschen, die nach draußen gelangten, liefen wieder in das brennende Zelt hinein, um ihre Kinder zu retten. Edenir sah ihre Mutter und ihre Schwester nie wieder. Sie blieb körperlich unverletzt.

Für Luis hingegen sah es nicht so günstig aus. Wie er in das Krankenhaus gelangte, weiß er nicht. 85 Prozent seines Körpers waren verbrannt; er hat körperlich überlebt, aber die seelischen Nachwirkungen machen ihn bis heute zu schaffen. Sein Körper ist durch Brandnarben entstellt.

Nach der Katastrophe heiratete er noch einmal, er hat zwei Söhne. Doch die Ehe hielt nicht. Er kann keine Nähe ertragen, Leute, die ihn anstarren.

Er kann nicht vergessen, was an diesem Tag geschah, der längste Tag seines Lebens. Er lebt in diesem brennenden Zelt – bis heute, Sekunde für Sekunde, Tag für Tag – hofft, aufzuwachen, und es war nur ein Traum, ein Alptraum. 

Das ist die andere Seite der Katastrophe. Man denkt, die Überlebenden hatten Glück zu leben. Dies trifft zu, doch auch Edenir, die körperlich überlebte, hat seelische Wunden. Sie überlegt bis heute, wie sie ihre Mutter und ihre Schwester, die im brennenden Zelt waren, hätte retten können. Warum sie überlebte, andere nicht.

Doch, was war die Ursache? Es war Brandstiftung. Ein Arbeiter, der das Zelt aufbaute, wurde zwei Tage vor der Vorstellung entlassen. 

Doch, die beiden glauben diese offizielle Darstellung nicht, vermuten einen technischen Fehler.

Edenir hofft bis heute, dass die Beiden jeden Moment zur Wohnungstür hereinkämen und alles nur ein Traum war.

Beide sind heute um die 70 Jahre alt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkusbrand_von_Niter%C3%B3i

https://www.fr.de/politik/brandmal-11380022.html

jeweils abgerufen am 12.11.2021

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