Lesezeit 2 minutes

Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, vom menschlichen und technischem Versagen. Wie in diesem Fall. Ausgiebige Trinkgelage der verantwortlichen Offizieren, ein Ausfall der Navigationsgeräte sowie unzureichende Befehle, fehlende Kommunikation untereinander und für die Mannschaft nicht nachvollziehende Beharrlichkeit führten zum Untergang dieses Schiffes mit 24 Toten. Es war für die DDR die bislang größte Schiffskatastrophe.

Tanker “Böhlen”

Die Böhlen war ein DDR-Tanker, der auf dem Rückweg von Venezuela nach Rostock war. An Bord waren auch vier Ehefrauen von Mannschaftsmitgliedern. Drei Überlebenden dieser letzten Fahrt am 15.10.1976 berichteten, dass ausgiebige Offiziersgelage mit reichlich Alkohol an der Tagesordnung waren – auch in der Nacht des Unglückstages.

14.10.1976 – der Unglückstag

Bereits Tage vor diesem Tag konnte aufgrund eines Sturms die genaue Position des Schiffes vom Navigator nicht mehr ausgemacht werden, die Schiffslage wurde einfach geschätzt. Man vermutete, man sei noch mitten im Ärmelkanal, obwohl der zuständige Funker klare Funksprüche empfing, so dass sie eigentlich nahe der Küste sein sollten. Seine Bedenken wurden nicht ernst genommen, die Offiziere zogen sich zum Trinken zurück.

Der diensthabende Offizier auf der Brücke, noch verkatert vom Vortag, zog sich mit dem Matrosen in das Kartenhaus zurück, schließlich war man laut allgemeiner Meinung auf hoher See, die Brücke war verlassen, als das Schiff gegen 03.55 h auf die Felsen einer Insel vor Frankreich, Ile de Sein, auflief.

Mit Gelassenheit in die Katastrophe

Die Maschinenmannschaft bemerkte, dass die Schiffshülle beschädigt wurde, und das Schiff Lecks aufwies, Wasser in das Schiff lief.

Allerdings wollten weder der verkaterte Kapitän noch die trunkenen Offiziere etwas von Schäden und Wasser wissen, und untersagten der Mannschaft nähere Schadenskontrollen. Der Kapitän gab den Befehl, auf die offene See zu laufen, wo gerade ein Orkan tobte. In den nächsten Stunden starrten die Offiziere auf der Brücke starr auf de tobende See und gaben keine Befehle mehr, auch dann nicht, als die aufgebrachte Mannschaft immer mit neuen Schreckensmeldungen über neue Wassereinbrüche sowie steigendem Wasserstand auf die Brücke eilten. Auch die Schadensmeldungen, dass die Lenzpumpen mit dem eindringendem Wasser überlastet seien, blieb ohne Anweisung. 

Als sich das Vorschiff elf Stunden später, am 15.10.1976, nach unten neigte, gab der Kapitän um 16.25 h endlich den Befehl SOS zu funken. Die herbei eilende Pacific bot die kostenpflichtige Bergung an (was international gang und gäbe ist), was der Kapitän der Böhlen allerdings ablehnte.

Gegen 17.00 h sank das Schiff und eine Rettungsaktion wurde gestartet, die allerdings vom Orkan erschwert wurde. Die Pacific rettete fünf Seeleute, der Rest wurde von französischen Fischern gerettet, die vom Notfall hörten und ihre Hilfe anboten.

11 Besatzungsmitglieder konnten insgesamt gerettet werden, 24 starben, darunter die Offiziere. Die Beweggründe der Offiziere, bei Lecks keine Eindämmung des Wassers vornehmen zu lassen, oder einen sicheren Hafen anzulaufen, stattdessen auf die offene See zu laufen, konnten somit nie nachvollzogen werden.

Auch weshalb der Kapitän viel zu spät SOS funken ließ und die Bergung sowie die Mannschaftsrettung durch die Pacific ablehnte, wurde somit nicht geklärt. Die genauen Gründe der Beweggründe der Entscheidungen des Kapitäns konnten nie ermittelt werden, so dass lediglich vermutet werden kann, dass die angetrunkenen Offiziere “Unfallflucht” begehen wollten, um eine Verurteilung durch das Seegericht zu entgehen und solange hofften, dass genügend Zeit vergehen wird, bis der Alkoholspiegel nicht mehr messbar war.

Dies ist meine Vermutung, was erklärt, weshalb die Fahrt in den Orkan angeordnet wurde.

Ölpest

Auch für die Umwelt hatte der Untergang der Böhlen einen sehr hohen Preis. 20 Jahre lang durfte im verseuchten Gebiet kein Fischfang mehr betrieben werden. 

https://www.youtube.com/watch?v=rwZgZy6emvI

https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6hlen_(Schiff)

*****************************************************************************

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Haben Sie Fragen oder Anregungen?

Nehmen Sie Kontakt über das Chatfenster auf, oder schreiben Sie eine Mail:

admin@wahrheitschecker.de

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.