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Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, technisches und menschliches Versagen, die sich zur Katastrophe steigern. So wie in diesem Fall. Materialermüdung, fehlende Notfallübungen und fehlende Sicherheitseinrichtungen führten zum Tode von 84 Menschen. Interessant an diesem Fall ist, dass es praktisch eine Kopie des Unglücksfalls der “Alexander L. Kielland” darstellt.

Die “Ocean Ranger”

Sie war die größte Ölplattform ihrer Zeit und galt faktisch als unsinkbar. Zumindest wurde sie aufgrund ihrer schieren Größe dafür gehalten. Daher wurde sie auch in Umgebungen eingesetzt, die für kleinere Plattformen zu gefährlich waren.

OCEAN RANGER Operfoto

Mit ihrer 121 Meter Länge und 90 Metern Breite, stolzen 46 Metern Höhe, war sie ein respektabler Anblick. Sie diente der Ölförderung.

Die Plattform thronte auf vier Halbtauchersäulen. Im Gegensatz zu der “Alexander L. Kielland” war diese Plattform ein eigenes Schiff, es konnte sich auch in rauher See eigenständig sicher fortbewegen und musste nicht von Schleppern gezogen werden. Daher galt sie für unsinkbar. Sie war in der Lage, bis in einer Tiefe von 7.600 zu bohren.

Zwölf Anker hielten sie auf Position. Sie war ein Gigant, der Stürmen bis 190 km/h und Wellen bis 34 Meter Höhe aushalten konnte. Theoretisch. 

Denn wie Alles, was für unsinkbar gehalten wurde, gab es einen Schwachpunkt.

Eingesetzt war sie zum Unglückszeitpunkt im Nordatlantik. 

Nachbarn und Notfallplan

Wie bei der “Alexander L. Kielland” war sie nicht gänzlich alleine in der großen Weite. Die Plattformen “Sedco 706” und “Zapata Ugland” gesellten sich zu ihr.

Auch gab es für dieses Feld Notfallpläne, ein Bereitschaftsschiff, die “M / V Sea-her Highlander” lag ständig in der Nähe der drei Plattformen, um diese zu evakuieren.

Ich hatte bereits eingangs erwähnt, dass dieser schreckliche Unglücksfall eine Kopie des Unglücks  der “Alexander L. Kielland” darstellt, eigentlich könnte ich den Artikel der Kielland für diesen Fall verwenden.

Der Untergang

Am 14.02.1982 erhielten die drei Plattformen Nachricht darüber, dass ein schwerer Orkan aufzieht und in ihre Richtung käme. Sofort wurden die Sturmpläne umgesetzt, die Bohrungen gestoppt und die Felder gesichert. Für die Mannschaft der “Ocean Ranger” normaler Alltag, sie gingen ihren Beschäftigungen nach. 

Gegen 19.00 h meldete der Nachbar “Seco 706” einen starken Wellenschlag, die “Ocean Ranger” meldete ein zerstörtes Bullauge. Ansonsten wurde keine Meldungen über weitere Beschädigungen der drei Bohrinseln gemeldet.

Allerdings wurde die “Ocean Ranger” zu diesem Zeitpunkt von einer zwanzig Meter hohen Welle getroffen, die das Bullauge des Maschinenraums, nur neun Meter über Meereshöhe (!) gelegen, zerstörte, so dass Seewasser eindrang und einen Kurzschluss bei den Leckagepumpen auslöste.

Der Raum mitsamt der Säule lief voll und die gesamte Plattform neigte sich unbemerkt Richtung Meer. Aus irgendeinem Grund wurde schlichtweg vergessen, dass Bullauge mit einer Luke zu sichern. Davon wusste die Brücke zu diesem Zeitpunkt nichts. Die Arbeiten gingen weiter.

Gegen 21.00 h meldete die “Ocean Ranger”, dass die Pumpen nun an liefen, allerdings Wasser in die Säulen und der Anlage pumpten, sie seien außer Kontrolle.

Es folgten keine weitere Meldungen, so dass sowohl das Bereitsschaftsschiff als auch die Zentralen der benachbarten Bohrinseln davon ausgingen, dass das Problem behoben sei.

Aus dem Nichts funkte die “Ocean Ranger” gegen 00.52 h Mayday, sie würden sinken. Sofort wurde der Notruf an die Küstenwache weitergeleitet, auch Schiffe empfingen den Notruf und eilten zur Hilfe. Die Rettungsaktion lief an.

Keine Notfallübungen

Und wie bei der “Kielland” zwei Jahre zuvor zeigte sich die Auswirkung nie geprobter Evakuierungsübungen. Auf der sich neigenden Plattform brach Panik aus. Die Standorte der Rettungsstationen waren unbekannt, die Benutzung der Rettungsmittel wurde den Arbeitern nie gezeigt.

Niemand wusste, was genau zu tun war. Sicher, die Notfallpläne hingen groß und breit aus, es gab Handbücher für Notfallsituationen – doch ernsthaft, wer liest die und nimmt im Ernstfall erstmal die Aushänge wahr?

So sprangen die Arbeiter einfach ins Meer, Rettungsmittel fuhren ohne Arbeiter los und die Arbeiter, die wussten, wie diese zu bedienen waren, nahmen nicht genügend Anzahl von Leuten in den Mittel auf. Das blanke Chaos.

Unfassbarer Weise  wurde auch auf dem Bereitschaftsschiff die Rettung von Menschen aus dem Meer nie geübt! Das gesamte Schiff war für die Menschen-Rettung aus dem Meer nicht ausgelegt. So starben nochmals Menschen, die im Meer schwammen und nicht an Bord gezogen werden konnten.

Die “Ocean Ranger” sank gegen 03.07 h. 84 Menschen starben dabei.

Dieses Unglück zeigt erneut die Wirksamkeit von Notfallübungen auf, nicht nur auf Plattformen. Auch wenn diese Übungen ein Übel sind, so trainieren sie doch das Unterbewusstsein und man handelt im Notfall richtig, ohne kopflos im Fluchtinstinkt herumzuirren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ocean_Ranger

https://en.wikipedia.org/wiki/Ocean_Ranger

Abgerufen am 28.11.2020

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