Lesezeit 3 minutes

Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, technisches und menschliches Versagen, die sich zur Katastrophe steigern. So wie in diesem Fall. Materialermüdung, fehlende Notfallübungen und fehlende Sicherheitseinrichtungen führten zum Tode von 123 Menschen.

Die “Alexander L. Kielland”

Sie war eine reine Wohnplattform für Bohrinselpersonal, wobei sich fast ständig an die 300 Arbeiter auf dieser Wohnplattform aufhielten. Sie befass alle Annehmlichkeiten einer kleinen Stadt, Kinos, Kantinen und Bowlingbahnen, damit sich die Arbeiter in ihrer Freizeit vergnügen konnten.

Der Eigentümer dachte darüber nach, diese Plattform auch als Ölplattform einzusetzen, so dass sich zum Zeitpunkt des Untergangs auch Einrichtungen zur Ölbohrung auf ihr befanden.

Technische Daten

Die “Alexander L. Kielland” ruhte auf fünf in das Meer herabgelassene Säulen, die untereinander durch Streben zusammengehalten wurden. Die ganze Plattform mitsamt Säulen besaßen Auftriebskörper je Säule. Auf diesen Säulen ruhte die Plattform.

In den Säulen waren Ballasttanks beinhaltet, die automatisch den Ballast regelten, so dass bei Wellengang die Insel sicher an Ort und Stelle war und nur leicht Schwankte. 

Die Insel war sturmsicher gebaut. Zehn Anker hielten die Insel auf Position.

Für den Notfall besaß die Insel drei Propeller, um sie fortzubewegen. Fünf Dieselgeneratoren versorgten die Insel mit Strom, ein Diesel diente als Notgenerator. In den Säulen befanden sich Pumpen zum Lenzen von Wasser für den Notfall.

Auf der Plattform befanden sich auf mehreren Stockwerken übereinander Wohncontainer.

Das Unglück

Die “Alexander L. Kielland” diente als Wohnplattform der benachbarten “Edda 2/7 C”, und war mit dieser über eine Brücke verbunden. 

Am 27.03.1980 verschlechte sich das Wetter erheblich, es herrschten Böen und sehr hoher Wellengang mit bis zu 8 m hohen Wellen. Die Außentemperatur betrug an die sechs Grad.

Das war für die Arbeiter normal, Niemand machte sich wegen des schlechten Wetters Sorgen, als um 18.00 h die Arbeiter zur Wohnplattform zurückkehrten; die Verbindungsbrücke wurde wegen des Wetters eingezogen.

50 Arbeiter aßen in der Messe, 212 Arbeiter ruhten sich aus, 80 Arbeiter schauten im Kino Filme an, es war ein ganz normaler Abend.

Der Alarmplan für das Ölfeld Ekofish, auf dem sich die zwei Plattformen befanden, bestimmte eine permanente Anwesenheit von drei Bereitschaftsschiffen, um im Notfall zum Einen die Inseln zu bewegen oder zum Anderen bei einer Notevakuierung die Arbeiter aufzunehmen. Jede Plattform musste binnen 30 Minuten erreicht werden können.

Gegen 18.30 h erschütterte ein gewaltiger Schlag die Insel, den die anwesenden Arbeiter für einen Wellenschlag hielten, als eine zweite gewaltige Erschütterung die Insel erzittern ließ und sie sich zur Seite neigte.

Später wurde festgestellt, dass sich eine Strebe löste und die zwei eigentlich verbundenen Säulen ihre Position verließen, der Wellengang tat sein Übriges daran, das Unglück zu verstärken. Letztendlich löste sich Säule D von der Plattform, so dass die Plattform um 19.00 h ins Meer kippte.

Das Chaos brach auf der Insel auf. Sämtliche Wohncontainer verrutschten, die Räume liefen voll Wasser. Die vorher nie geprobte Evakuierung lief an, uncoordiniert, Niemand hatte sie vorher geprobt.

Rettungsstationen

Auf der Wohnplattform befanden sich acht Rettungsboote für je fünfzig Personen, insgesamt zehn Rettungsflöße für gesamt 400 Arbeiter, acht Behälter mit gesamt 125 Rettungswesten, insgesamt an die 541 Rettungswesten.

Die Stammbesatzung verfügte des Weiteren über Rettungsanzüge, die anderen Arbeiter, die diese Anzüge eigentlich täglich von der Wohnplattform zur Edda hin- und zurücknehmen musste, taten dies nicht, weil die Anzüge zu schwer waren.

Die Menschen im Kino sprangen letztendlich ins eiskalte Meer. Traurigerweise erreichten viele Arbeiter die Rettungsstationen nicht, da Möbel die Luken versperrten, sie ertranken.

Viele sprangen ins Meer und wurden gegen 19.15 h von den Rettungsschiffen aus dem Meer gezogen. Durch die Kränkung der Insel sowie des späteren Umsturzes der gesamten Insel ins Meer konnten viele Rettungsmittel nicht eingesetzt werden.

Sämtliche Schiffe in der Nähe eilten wegen des Notrufes zur Hilfe, aus den Niederlanden, England und Norwegen flogen Rettungshubschrauber an.

Letztendlich starben 123 Arbeiter, der Rest konnte glücklicherweise gerettet werden.

Das Gute im Unglück ist, dass diese Katastrophe zeigte, dass Rettungsübungen regelmäßig erfolgen mussten, es muss für jeden Arbeiter Rettungsanzüge bereitstehen, es müssen klare Evakuierungsanleitungen für Jedermann geben.

Insgesamt wurden danach die Sicherheitsmassnahmen für sämtliche Bohrinseln verschärft. Insbesondere für Wohnplattformen galten fortan wesentlich verschärfte staatliche und internationale Vorschriften.

https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_L._Kielland_(Bohrinsel)#Konsequenzen

https://www.spiegel.de/geschichte/bohrinsel-alexander-l-kielland-katastrophe-in-der-nordsee-a-1025238.html

Abgerufen am 23.11.2020

*****************************************************************************

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Haben Sie Fragen oder Anregungen?

Nehmen Sie Kontakt über das Chatfenster auf, oder schreiben Sie eine Mail:

admin@wahrheitschecker.de

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutz
Ich, Michael Lanz (Wohnort: Deutschland), verarbeite zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in meiner Datenschutzerklärung.
Datenschutz
Ich, Michael Lanz (Wohnort: Deutschland), verarbeite zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in meiner Datenschutzerklärung.