Katastrophen der Menschheit: Flugschau-Unglück von Ramstein 28.08.1988

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Katastrophen geschehen nicht einfach. Sie sind meist eine Verwicklung von unglücklichen Umständen, technisches und menschliches Versagen, die sich zur Katastrophe steigern. So wie in diesem Fall. Eine Unaufmerksamkeit, ein zu tief fliegendes Flugzeug, ungenügende Sicherheitsmassnahmen, eine zu nahe am Flugfeld liegende Zuschauermenge, fehlende vorherige Übungen mit deutschen und amerikanischen Rettungsmannschaften, eine durch Menschen- und Wagenschlangen verstopfte einzige Zufahrt, führten zu größten Katastrophe der damaligen Zeit. Tausende Verletzte, traumatisierte Menschen mussten für diese unglaublichen Nachlässigkeiten bezahlen.


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Ramstein, 28.08.1988

An diesem heißen Tag zog es tausende Fluginteressierte zur amerikanischen Base Ramstein bei Kaiserslautern. Es fand die jährliche Flugschau statt, an deutsch-amerikanisches Grillfest, ein Familientag, nur an diesem einen Tag im Jahr durften Zivilisten auf die Base – und so zog es die Deutschen dahin. Die Autobahn dorthin war mit Menschen und Autos regelrecht verstopft, sie diente auch als Parkplatz. Rettungsgassen wurden nicht gebildet, warum auch? Was sollte geschehen?

Es gab natürlich Warnungen über die möglichen Gefahren dieser Schau, auch vor der Zufahrt standen Demonstranten, die vor den Gefahren warnen wollten. Einige Reisende nahmen die Warnungen ernst und drehten um, was ihnen im Nachgang möglicherweise das Leben rettete. Die Mehrzahl der Reisenden ließen sich von den Demonstranten nicht abschrecken und wollten zur Schau.

So kamen in Folge fast keine Rettungswagen durch diese kreuz und quer geparkten Wagen hindurch, die Rettung wurde zeitlich verzögert. Hinzu kam, dass der Zutritt nur durch einen einzigen Eingang erfolgte, der für Kommende und Gehende gedacht war, was an die Loveparade-Katastrophe von Duisburg erinnert!

Nach der Katastrophe flohen die panischen Menschen (der Mensch flieht dorthin, wo er auch herkam!) genau zu diesem einen Ausgang, durch den auch die Rettungskräfte fahren mussten. Der Rückstrom, alle Menschen zog es zu ihren Wagen, um zu fliehen, das ist menschlich, verstopfte abermals den Rettungsweg.

Aber der Reihe nach…

Zunächst genossen die Menschen die Flugschau. Es wurde gegrillt, gefeiert, ganze Familien zog es dorthin. 

Das Unglück geschah zum Ende der Veranstaltung. Glück im Unglück war, das ein Großteil der Zuschauer bereits gehen wollte und deshalb aufbrach. Die italienische Kunstflugstaffel Frecce Tricolori sollte ihr Können zeigen und das sog. durchstoßene Herz zeigen.

Ein Einzelflugzeug sollte dabei ein Herz durchstoßen. Hierbei geschah das Unglück, als der Einzelflieger mit seinen Kollegen in der Luft zusammenstieß. Der abstürzende Einzelflieger zerschellte auf dem Boden, Teile der Maschine und das brennende Kerosin flogen in die nahe Zuschauermenge.

Brennende Menschen liefen durch die Menge, geschockte Zuschauer irrten umher.

Ein Überlebender schildert:

“Kein Traum, und das habe ich von Anfang an genau gewusst war dieser Sonntag, der für uns -meine fünfjährige Tochter Nadine, meine Frau Carmen und mich – so begann wie viele Sonntage. Wir machten uns frühmorgens auf, um irgendwo irgendetwas zu erleben. An diesem Sonntag war es der Flugtag in Ramstein. Volksfeststimmung, amerikanisches Eis, Hamburger, Pommes und als besondere Attraktion die Flugzeuge. Der Vormittag entsprach unseren Erwartungen. Das Wetter wurde sehr schön. Trotz der vielen Menschen herrschte eine angenehme Atmosphäre.  

Für die meisten Menschen und auch für uns war sie sehr beeindruckend. Damals war es noch ein Erlebnis, diese großen stählernen Dinger so nah zu sehen. Für mich stellte sich zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht die Frage, welches Unheil solche Maschinen anrichten können. Kurz vor Ende der Vorstellung, also zu dem Zeitpunkt, als die italienische Flugstaffel angesagt wurde, beschlossen wir, schon unser Auto aufzusuchen, um später nicht in den Stau zu kommen. So gingen wir nach links Richtung Tower, um von dort auf den Parkplatz zu gelangen. Die Flugvorführungen waren in vollem Gange. Wir schauten während des Gehens ab und zu hoch in den Himmel.

Durch die Menschenmassen wurden wir mal etwas vor-, dann wieder ein Stück zurückgedrängt. Wir hatten unsere kleine Nadine in die Mitte genommen und hielten sie jeder an einer Hand. Wir blieben immer wieder kurz stehen, um noch einmal etwas zu sehen. Auch als die Italiener ihr „Durchstoßenes Herz“ flogen, drehte ich mich gerade um. Zu Carmen sagte ich noch: „Schau mal“.

Carmen hatte nicht mehr die Zeit sich ganz umzudrehen. Ich sah Feuer und Trümmerteile. Aber erst, als eines der Flugzeuge direkt auf uns zuflog, begriff ich die Gefahr. „Das war keine Show mehr!“ Ich schrie noch: “ Renn!“, aber Carmen schaute mich nur mit großen Augen an, so, als wollte sie sagen, „es reicht ja doch nicht mehr“. 

Sie brachte nur noch ein abgehacktes „Au“ über die Lippen, dabei wurde sie von einem großen Trümmerteil am Kopf getroffen, der unnatürlich nach vorne abknickte. Das war das letzte, was ich von ihr sah. “ Das kann doch nicht wahr sein!“ Im gleichen Augenblick wurde ich ebenfalls von einem Teil getroffen und durch die Druckwelle einige Meter nach hinten weggeschleudert.

Ich fiel mit dem Gesicht zu Boden. Während des Sturzes spürte ich, dass mein ganzer Körper nassgespritzt wurde. Es war Kerosin, das sich sogleich entzündete. Ich lag brennend am Boden. Beim Versuch aufzustehen merkte ich, dass ein großes Metallstück auf meinem Unterkörper lag. Ein Bein war frei, mit dem ich mich unter dem Trümmerstück selbst hervorschieben konnte. 

Das Teil selbst bewegte sich keinen Zentimeter, dazu war es zu schwer und zu groß.Als ich es geschafft hatte aufzustehen, sah ich mich um. Es lagen viele Tote und Verletzte herum. Viele waren schwarz verkohlt, andere brannten noch. 

Was ich sah und hörte, war unbeschreiblich grausam. Beim Aufstehen merkte ich auch, dass etwas Nasses von meinen Armen, meinem Rücken und meinem Gesicht hing. Ich dachte, es wäre irgendein Kleidungsstück oder ein Fetzen von einem Tuch, daß mir vielleicht jemand übergeworfen hätte, um die Flammen zu löschen. 

Ich zog daran, um es von mir zu werfen. Aber es war meine Haut, die, je mehr ich daran zog, immer länger wurde. Außerdem fügte ich mir auf diese Art höllische Schmerzen zu.

Ich versuchte sofort auszumachen, wo wir zuletzt gestanden hatten. Nadine fand ich gleich. Sie lag am Boden auf dem Bauch. Ihre langen blonden Haare waren teils weggebrannt. 

Ihr Gesicht, ihre Hände und Arme waren verbrannt. Ich hörte sie schreien. Ihre Kleider brannten noch teilweise. Es war unfassbar. Ich wälzte sie auf dem Boden, versuchte, die Flammen mit meinen Händen zu ersticken, und rief immer wieder um Hilfe. 

Aber viele standen herum, waren zu schockiert um zu helfen. Wieder andere liefen verwirrt in der Gegend umher.

Gegen die Flammen hatte ich mit bloßen Händen kaum eine Chance. So gelang es mir nur mit großer Mühe, die Flammen etwas einzudämmen zumal meine Hände dabei auch wieder Feuer fingen. Zwischendurch hielt ich immer wieder Ausschau nach Carmen. 

Unter den vielen Verbrannten war sie aber nicht zu erkennen, weil alles schwarz war und man sich somit auch nicht an Kleidungsstücken orientieren konnte. Manche lagen am Boden und schauten mich nur an, ohne etwas zu sagen oder sich zu bewegen. In den schwarzen, verkohlten Gesichtern konnte man kein Leben mehr erkennen. Die Tatsache, dass unter ihnen vielleicht auch Carmen war und ich sie nicht erkennen konnte brachte mich fast um den Verstand.

Ich versuchte mich auf Nadine zu konzentrieren, hob sie auf und drückte sie an mich, weil ihre Kleidung immer noch etwas brannte. Sie hörte nicht auf zu schreien.

Plötzlich kamen ein paar Amerikaner, ich weiß nicht, ob Soldaten oder Zivilisten, die mich festhielten, während einer von ihnen mir meine Tochter wegnahm und einfach fortlief. Ich versuchte mit aller Kraft mich loszureißen, doch die zwei die mich festhielten, waren stärker. Das letzte, was ich von Nadine sah waren ihre Arme, die sie nach mir ausstreckte. Ich wurde dann wohl bewusstlos.”

Soweit die Schilderungen des Überlebenden, bedauerlicherweise überlebte seine Tochter Nadine als auch seine Frau das Unglück nicht und verstarben etwas später.

An dieser Stelle mein aufrichtiges Beileid, ich war beim Erstellen dieser Zeilen geschockt von den Schilderungen. Als Außenstehender, der darüber berichtet, kann man sich das Schrecken vor Ort nicht gänzlich vorstellen. 

Ich bin erschüttert. 

Mangelnde Rettungsbedingungen und Absprachen

Was nun geschah, ist zur heutigen Zeit undenkbar. Die deutschen Rettungsmannschaften, Rotes Kreuz etc., die sich über die Autobahn kämpften, standen vor Ramstein vor geschlossenen Toren, die Amerikaner ließen sie gar nicht hinein, was die Rettung zusätzlich verzögerte. Ferner waren eh nicht genügend Rettungswagen vorhanden, um all die Schwerstverletzten zu bergen. 

Schwerstverbrannte wurden von Helfern zur Autobahn geschliffen, und in Privatfahrzeugen ins Krankenhaus verbracht, die mit den Schwerstverbrannten nicht umzugehen wussten.

US-Helfer und deutsche Sanitäter konnten sich nicht absprechen, da sie verschiedene Funkkanäle benutzten, das Vorgehen wurde nie geprobt, warum auch?

Die Rettungsvorgehen waren ebenso unterschiedlich und wurden vorher nie abgesprochen. Während deutsche Sanitäter den Patienten erst stabilisieren und dann transportieren, wurden bei den Amerikanern der Patient sofort ins Fahrzeug verbracht und erst im Krankenhaus versorgt.

„Wir suchen ständig verbrannte Patienten, die uns von den US-Amerikanern aus der Hand gerissen werden und vollkommen unversorgt abtransportiert werden.

„Wir haben dort eine Vielzahl von schwerst verbrannten, schwer verletzten Patienten, die völlig unversorgt waren, vorgefunden. […] Als ich in Landstuhl landete, lagen Schwerstverbrannte unversorgt teilweise auf Bretterbohlen, und keinerlei Ärzte waren vor Ort. 

Nachdem ich eine Verletzte versorgt und der Krankenschwester, die mit uns geflogen war, zur Überwachung gegeben hatte, bin ich noch 10 Minuten auf dem Hubschrauberlandeplatz des Militärkrankenhauses umhergelaufen und habe mehrere Verletzte versorgt und zu keinem Zeitpunkt einen amerikanischen Kollegen getroffen.“

„In dem Bus befanden sich fünf Schwerstverletzte. Es war kein Arzt bei diesem Transport. Lediglich ein ortsunkundiger und des Deutschen nicht mächtiger Fahrer hatte offensichtlich eine Irrfahrt durch Ludwigshafen gemacht, bis er das Krankenhaus fand.“

Auch die Rettungssysteme waren gänzlich unterschiedlich. Medizinisches deutsches Material war nicht zu dem amerikanischen System passend. So konnten beide Seiten zusammen nicht gemeinsam helfen.

Sie können sich das Durcheinander sicherlich vorstellen.

Das Fest- und Funknetz – zur damaligen Zeit gab es keine Handys – brach zusammen. 

70 Tote und bis heute gezeichnete Überlebende gab es zu beklagen. Es wurde nach langem Kampf ein Gedenkort eingerichtet.

Noch heute sind Überlebende traumatisiert, ich empfehle Ihnen folgende Seite, auf der ein Überlebender sein Leben schildert und von der ich oben zitiert hatte:

http://www.ramstein-1988.de/14101.html

Verbindung mit dem Itavia-Flug- 870-Absturz

Einige der Staffel sollten eine Woche später vor einem Untersuchungsausschuss über den obigen Flug aussagen. Bereits im Vorfeld gab es einige rätselhafte Tode von Zeugen.

https://www.youtube.com/watch?v=zL4Fz57Wg1o

https://de.wikipedia.org/wiki/Flugtagungl%C3%BCck_von_Ramstein

https://de.wikipedia.org/wiki/Itavia-Flug_870

https://www.youtube.com/watch?v=Bo0ZD_QWVGI

Jeweils abgerufen am 07.08.2020 um 12.15 h

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